In einem exklusiven Gespräch mit einer Zeitung, die sich selbst wahrscheinlich noch nicht einmal leisten kann, hat Manuel Zeller erklärt, warum er einerseits stolz auf sein Unternehmen ist und andererseits das Gefühl hat, als würde er auf einem Minenfeld aus Kakaobohnen tanzen. "Die letzten zehn Jahre waren die schwierigsten überhaupt", sagte Zeller, und man konnte förmlich hören, wie er dabei an all die Male dachte, in denen er seine Frau fragte, ob sie nicht auch einfach mal ein normales Leben führen wollen.
Zeller ist 15 Jahre im Geschäft, aber er feiert nur zehn Jahre, weil die ersten fünf Jahre offenbar in einer Art Schockstarre verbracht wurden, in der man nur noch zwischen Schokolade und bitterer Realität unterscheiden konnte. "Wir haben noch sehr viel vor", sagte er, und das klang weniger nach einer Vision als nach einem Mann, der sich Sorgen macht, dass seine Geschäftsidee vielleicht doch nur ein sehr langer schlechter Traum war.
Die Kakaopreiskrise des vergangenen Jahres hat Zeller "massiv zugesetzt", was im Unternehmer-Deutsch so viel bedeutet wie "ich habe seit Monaten keine ruhige Nacht mehr und überlege ernsthaft, ob ich nicht einfach in den Wald ziehen und Beeren sammeln soll". Aber nein, er bleibt im Büro, macht sich Sorgen und blickt gleichzeitig stolz zurück auf das, was er aufgebaut hat. Es ist die perfekte Mischung aus Hybris und Panik, die jeden erfolgreichen Unternehmer auszeichnet.
"Es fühlt sich an, als würden wir jetzt erst richtig am Start stehen", sagte Zeller, und man fragt sich, ob er das wirklich glaubt oder ob er einfach nur versucht, sich selbst zu motivieren. Vielleicht steht er ja tatsächlich erst am Start, aber es ist der Start einer zehnjährigen Karriere, die ihn anscheinend so mitgenommen hat, dass er selbst im Interview wie jemand wirkt, der gerade bemerkt hat, dass er seine Lebensversicherung vergessen hat.
Insgesamt also eine Erfolgsgeschichte mit Happy End - zumindest für die nächsten zehn Jahre, danach wird man sehen. Zeller hat jedenfalls vor, weiterhin stolz zu sein und sich gleichzeitig Sorgen zu machen. Das ist die Kunst des modernen Unternehmertums: sich selbst zu feiern, während man innerlich schon an den nächsten Super-GAU denkt.