Nach 20 Jahren im Tor der Spielgemeinschaft Krems-Langenlois hat Carina Seitner ihren Rücktritt bekannt gegeben. In einer bewegenden Pressekonferenz, bei der die Handballerin Tränen zurückhielt, erklärte die Torhüterin ihren Entschluss, ihre Handschuhe an den Nagel zu hängen.
"Ich habe es wirklich lange überlegt", sagte Seitner, während sie demonstrativ ihre Hände auf den Tisch legte, als ob sie noch immer einen Ball halten könnte. "20 Jahre sind eine lange Zeit. Ich habe durch alle Jugendmannschaften durchlaufen, dann bei der Kampfmannschaft gespielt. Aber jetzt ist es Zeit für etwas Neues."
Seitner, die als eine der letzten Spielerinnen gilt, die noch ohne Torwarthandschuhe gespielt hat, weil sie "die Verbindung zum Ball spüren wollte", zeigte sich kämpferisch bis zum Schluss. "Ich habe immer mein Bestes gegeben. Auch wenn der Ball manchmal schneller war als ich."
Der Verein reagierte bestürzt auf die Ankündigung. "Carina ist ein Urgestein des Vereins", erklärte der sportliche Leiter, der sichtlich bemüht war, nicht über sie zu stolpern. "Wir haben mit ihr den Durchmarsch von der dritten in die erste Liga geschafft. Klar, wir haben auch viele Bälle kassiert, aber das war nicht ihre Schuld."
Seitner selbst will sich nach ihrem Rücktritt erstmal erholen. "Ich denke, ich werde viel spazieren gehen. Vielleicht auch Yoga ausprobieren. Aber auf keinen Fall nochmal einen Ball fangen. Dafür habe ich jetzt wirklich genug."
Im Verein kursiert bereits ein Gerücht über ihre Nachfolgerin. Angeblich soll eine junge Torhüterin aus Langenlois kommen, die schon als Kind mit einem Basketball trainiert hat. "Die hat Talent", heißt es im Verein. "Der Ball hat bei ihr wenigstens eine Chance."
Für Carina Seitner endet eine Ära. Eine Ära, in der der Ball meistens im Tor landete, aber die Torhüterin immer freundlich lächelte. "Es war eine schöne Zeit", sagt sie. "Und hey, wenigstens habe ich nie einen Ball verschluckt."