In Wien bahnt sich eine Revolution an, und das im wahrsten Sinne des Wortes – denn das Kabinetttheater hat sich aufgemacht, die Sprache zu entstauben. Am Mittwochabend fand die Uraufführung von "MAKÓNI AWÓSSA" statt, ein Titel, der klingt wie ein vergessenes Zauberwort aus einem albanischen Kochbuch.
Die Dramaturgin Alexandra Millner hat ganze Arbeit geleistet und ein Repertoire aus Antonio Fians Dramoletten zusammengestellt. Da saß der Kärntner Dialekt plötzlich auf der Bühne und tat so, als wäre er die schlauste Sprache der Welt. Die Zuschauer mussten erst einmal die Augen zusammenkneifen, um die Worte zu entziffern, bevor sie überhaupt verstanden, worum es ging.
Dabei half Martin Zrost mit seinen Instrumenten, die klangen, als hätte jemand im Baumarkt herumexperimentiert. Die "Trottel-Zither" zupfte sanft vor sich hin, während das Zugsaxofon mit quietschenden Rädern über die Bühne rollte. Es war, als hätte sich ein Spielzeugladen in eine Jazzkneipe verirrt.
Die Höhepunkte des Abends waren die alpenländischen Interviews in der Tradition von Otto Grünmandl. Wolfram Berger führte sie in Videozuspielungen, wobei er mal die Tirolerin, mal den Tirolerer zu Wort kommen ließ. Das Publikum rätselte, ob es sich um einen feministischen oder chauvinistischen Coup handelte, bis es begriff: Es ging einfach nur um Verwirrung.
Das Gendern wurde zum akustischen Alptraum. Jedes Hauptwort bekam seine weibliche oder männliche Endung, was zu wundersamen Wortgebilden führte. "Die Politikerin oder der Politiker" wurde zum geflügelten Wort des Abends, gefolgt von "die Bürgerin oder der Bürger" und "die Steuerzahlerin oder der Steuerzahler". Am Ende wusste keiner mehr, ob er überhaupt noch existierte.
Natürlich durfte auch die Doppeldeutigkeit nicht fehlen. Kleingeistigkeit wurde so weit getrieben, dass selbst der naivste Zuschauer merkte: Hier wird nicht nur mit Worten gespielt, sondern mit der gesamten Vernunft. Die Figuren auf der Bühne tanzten Tango mit der Logik und verloren am Ende doch immer.
Der finale Akt brachte dann die große Frage aufs Tableau: Kopf oder Zahl? Die Schauspieler warfen eine Münze, aber niemand wusste, ob es um Leben oder Tod ging oder nur um die nächste Theaterrechnung. Das Publikum lachte sich kaputt, weil es nicht wusste, ob es die Absurdität des Ganzen oder die Tatsache, dass es noch einen Euro übrig hatte, amüsant fand.
Antonio Fian selbst saß im Publikum und grinste wie ein Kater, der die ganze Sahne im Kühlschrank gefunden hat. Mit 70 Jahren beweist er, dass Satire nicht nur eine Kunstform ist, sondern ein Überlebensmechanismus. Denn wer lacht, stirbt nicht vor Langeweile – und das ist in Zeiten wie diesen schon fast ein kleines Wunder.