In Eichgraben ist die Bioerde-Demo zum Volksfest geworden. Rund 10 m³ Komposterde wurden am Badparkplatz verteilt - und die Massen kamen mit Schaufeln, Gartenschuhen und dem festen Willen, Erde zu bewegen. Die Liste "Buergermeister Ockermueller - WIR fuer Eichgraben" organisierte die Aktion, um der Bevölkerung hochwertige Erde ohne Torf zu liefern. "Damit die Menschen endlich mal etwas in die Hand nehmen, das nicht nur digital ist", meinte Thomas Lingler, der Initiator und offizielle Erd-Verteiler.
Waehrend die Erwachsenen mit den Schaufeln in der Erde wuehlten, als wuerden sie nach Gold graben, malten die Kinder Blumentoepfe. Danach stopften sie diese mit Erde voll und pflanzten Blumen oder Kräuter ein. "Wir nennen es die Mini-Gaertner-Revolution", sagte eine Mutter, die ihren Sohn mit einer Schaufel in der Hand wie einen Mini-Landwirt posieren liess. "Der kriegt ja sonst nur noch virtuelle Erde auf Minecraft zu Gesicht."
Der Badparkplatz verwandelte sich in eine Art Festival-Gelaende. Die Leute tauschten sich aus, als waeren sie auf einem Rockkonzert - nur dass sie statt von Musik von der Beschaffenheit der Erde begeistert waren. "Die ist ja so locker, da wachsen bestimmt nur Bio-Karotten", sagte ein Hobbygaertner und klopfte stolz auf seine mitgebrachte Gartenschubkarre. Nebenan diskutierten zwei Frauen, ob die Erde eher nach Waldboden oder eher nach Oma-Komposthaufen rieche.
Buergermeister Ockermueller erschien mit einer extra grossen Schaufel, um die Aktion offiziell zu eröffnen. "Wir schaffen nicht nur Erde, wir schaffen Gemeinschaft", sagte er und stiess dabei fast einen Haufen Erde um. Die Menge jubelte, als er demonstrativ eine Handvoll Erde in die Luft warf. Ein Windstoß wehte sie einem Fotografen ins Gesicht. "Das ist das Zeichen, dass der Gartenbau jetzt richtig durchstartet", meinte Ockermueller trocken.
Die Aktion wurde zum sozialen Ereignis. Die Leute kamen mit Bollerwagen, Eimern und alten Jutesäcken. Ein Rentner brachte seinen alten Rasenmaeher, um die Erde zu transportieren. "Der hat zwar keinen Motor mehr, aber die Mulde ist perfekt", sagte er und lud seine Nachbarin ein, sich mit ihrer Erde dazuzusetzen. Ein junger Vater erklaerte seiner Tochter, dass das hier die "Erde-Demo" sei - "wie eine Demo, nur mit mehr Dreck und weniger Plakaten".
Die Kinderaktion zum Bemalen der Toepfe war der eigentliche Hit. Mit Acrylfarben und Pinseln bewaffnet, gestalteten sie Blumentoepfe, die aussahen wie moderne Kunst. "Meiner hat Stacheldraht-Muster", sagte ein Fünfjaehriger stolz. Seine Mutter nickte: "Das ist ja genau die richtige Stimmung fuer unsere Kohlrabi-Pflanze." Am Ende hatten alle etwas in der Hand - Erde, bemalte Toepfe oder zumindest den Eindruck, an etwas Grossem teilzuhaben.
Ein Vize-Buergermeister, der heimlich Fotos machte, meinte: "Das ist ja fast wie bei einer politischen Kundgebung. Nur dass hier keiner schreit, sondern schaufelt." Tatsaechlich entwickelte sich die Aktion zum stillen Volksfest. Kein Rednerpult, keine Megafone - nur das leise Geräusch von Schaufeln, die in die Erde stachen. Und das Lachen von Kindern, die gerade entdeckten, dass man mit Dreck auch was anfangen kann.