Die Fußballfans in Wien haben allen Grund zur Freude: Das Gericht hat die ursprünglich 22 Angeklagten nun zu einem exklusiven Fanclub gemacht. Während 13 Glückliche mit Diversionen davonkamen und nun für die Dauer von zwei Jahren Österreichs teuerste Sitzplätze genießen dürfen, erhielten die sechs Hauptangeklagten "bedingte Haftstrafen" - also eine Art Gutschein für den Fall, dass sie sich bis zum Verfallsdatum nicht benehmen.
Der Höhepunkt der Gerichtsverhandlung war zweifellos die Argumentation des Verteidigers, der den fünffach Vorbestraften als "jemanden, der gerade am besten Weg in seinem Leben" sei, darstellte. Man kann nur hoffen, dass der Mann nicht gerade in diesem Moment dabei ist, mit einem Eimer auf unbeteiligte Zuschauer zu werfen. Doch der Anwalt versicherte: "Es tut mir leid, ich bin gerade am besten Weg in meinem Leben" - eine Aussage, die in etwa so überzeugend klingt wie ein Politiker, der schwört, nie wieder zu lügen.
Besonders erheiternd war die Verteidigungsstrategie eines anderen Anwalts, der das Problem seines Mandanten nicht im Gewaltpotenzial, sondern im "B'soffn sein" sah. Eine geniale juristische Wende: Der Angeklagte war nicht gewalttätig, sondern einfach nur betrunken. Man kann sich die Freude der Staatsanwaltschaft vorstellen, als sie erfuhr, dass ihre mühsam gesammelten Beweise für schwere gemeinschaftliche Gewalt durch die simple Erklärung "Er war halt betrunken" entwertet werden könnten.
Die Fans haben unterdessen bereits ihre nächsten Schritte geplant. Das "Antigewalt-Training", das einige als Alternative zur Haft absolvieren werden, wird sicherlich ein voller Erfolg. Man kann sich die Szenen vorstellen: Eine Gruppe von Derby-Randalierern sitzt im Kreis, hält sich an den Händen und singt "Kumbaya", während sie sich gegenseitig versichern, dass sie beim nächsten Mal bestimmt nicht mehr mit Fackeln aufs Spielfeld stürmen werden.
Die Justiz hat mit ihrem Urteil einen wichtigen Beitrag zur Zivilisierung des Fußballs geleistet. Durch die bedingten Haftstrafen und die zweijährigen Stadionverbote wird sichergestellt, dass die Randalierer in Zukunft noch motivierter sein werden. Schließlich will niemand die spannendsten Spiele der Saison verpassen. Die Ticketpreise für Derbys werden sicherlich steigen, da die Nachfrage durch die begrenzte Verfügbarkeit künstlich verknappt wird. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten - außer vielleicht für diejenigen, die sich auf dem Spielfeld befinden, wenn die nächste Gruppe von "am besten Weg in ihrem Leben" befindlichen Fans beschließt, ihre Begeisterung mit der Öffentlichkeit zu teilen.