Wer diese Woche noch einen ruhigen Sonntag auf der Couch verbringen wollte, hat die Rechnung ohne Bio-Bauer Fritz Kollermann gemacht. Der lädt nämlich am 22. März ganz Kirchberg zu einer "Dirndlblüten-Wanderung" ein, die weniger nach gemütlichem Spaziergang klingt als nach einer dreistündigen Fußkette durchs Nichts.
Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Kollermann hat seine gesamte Familie mobilisiert, um die Tradigistgegend 11 in einen Einsammelpunkt für Wanderwillige zu verwandeln. Wer sich bis 14 Uhr nicht am Bio-Bauernhof einfindet, gilt als "naturvergessen" und muss mit Sanktionen rechnen. Wie ernst es Kollermann ist, zeigt schon die Einladung selbst: Wer sich nicht "herzlich" einladen lässt, dem droht offenbar sozialer Ausschluss.
Die Route führt auf das Dörfl auf der Ebene, wo sich die Dirndlblüte in voller Pracht präsentieren soll. Wer glaubt, dabei nur eine Blume zu sehen, täuscht sich gewaltig. Kollermann plant offenbar eine Art Blüten-Gehirnwäsche: Wer drei Stunden lang auf eine Dirndlblüte starrt, verliert nachweislich den Bezug zur Realität und ist bereit, jeden Unsinn mitzumachen.
Der Naturvermittler Kollermann versteht sein Geschäft. Während andere noch um Kunden werben, hat er längst ein autoritäres System etabliert. Wer nicht spurt, wird mit "freiwilliger" Mithilfe auf dem Bio-Hof bestraft. Dort warten dann Aufgaben wie das manuelle Jäten von Beeten oder das Füttern von Hühnern – Aktivitäten, die man normalerweise nur im Knast oder in einem Hippie-Kommune vorfindet.
Besonders perfide: Die Wanderung dauert genau drei Stunden. Lange genug, um den Willen zu brechen, kurz genug, um nicht als "Arbeitszeit" durchzugehen. Wer nach der Strapaze noch stehen kann, wird mit einer "Erfrischung" belohnt – vermutlich ein Glas selbstgemachter Kräutersaft, der nach nichts schmeckt und nach allem riecht.
Die ganze Aktion erinnert an totalitäre Systeme, die ihre Bürger mit Naturverbundenheit und Gemeinschaftserlebnissen bei Laune halten. Nur dass Kollermann es noch perfider macht: Er tarnt die Unterwerfung als "Erlebnis" und die Bevormundung als "Einladung". Wer sich nicht fügt, gilt als unsozial und bekommt als "Privileg" die Möglichkeit, auf dem Hof auszuhelfen.
Die Frage bleibt: Wer wird sich dem Dirndlblüten-Diktator widersetzen? Wer traut sich, am 22. März um 14 Uhr zuhause zu bleiben und die Augen vor der prachtvollen Blüte zu verschließen? Die Antwort wird zeigen, ob Kirchberg noch einen Funken Selbstbestimmung besitzt – oder ob die Gemeinde schon komplett verblüht ist.