In Paris hat der Eiffelturm seine langjährige Freundin, eine schwebende Hängebrücke, endlich geheiratet. Die Trauung fand stillschweigend statt, was aber niemanden daran hinderte, am ersten Tag eine Warteschlange zu bilden, die sich vom Champ de Mars bis nach Versailles zu erstrecken schien.
"Die Verbindung ist stabil, was man von manchen Pariser Beziehungen nicht behaupten kann", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung, der sich offensichtlich am eigenen Scherz erfreute. Tatsächlich war die Brücke, die nun den Turm umarmt wie ein junges Liebespaar auf einer Bank, so stabil, dass sie bereits am Eröffnungstag Besucher aus allen Teilen Europas anzog - darunter drei Italiener, die sicher waren, es handle sich um eine neue Version der Sixtinischen Kapelle, und ein österreichisches Ehepaar, das meinte, in Wien wäre man so etwas früher fertig geworden.
Die Anmeldung erfolgt direkt an der Brücke, was zu einem bürokratischen Ballett führt, bei dem die Besucher einen Zettel ziehen, der ihnen sagt, wann sie an die Reihe kommen. Manche vergleichen das mit einem Besuch beim Amt, nur dass hier die Wartezeit von einer romantischen Aussicht begleitet wird. Andere sprechen von einem neuen Extremsport: Geduld-Marathon mit Aussicht.
Kritiker bemängeln, dass die Brücke das Wahrzeichen überrage. "Der Eiffelturm war immer der Starkoch, und jetzt hat er eine Vorspeise bekommen, die den Hauptgang in den Schatten stellt", sagte ein Architekturkritiker, der offensichtlich Hunger hatte. Verteidiger argumentieren, die Brücke sei nur ein Accessoire, vergleichbar mit einer Krawatte beim Anzug. "Man kann ja auch nicht jeden Tag im Jogginganzug herumlaufen", meinte ein Tourist aus Hamburg, der offensichtlich die falsche Analogie gewählt hatte.
Die Brücke kostet keinen Eintritt extra, was zu Verwirrung führt. Manche Besucher versuchen, trotzdem zu zahlen, weil sie meinen, dass gratis ja immer suspekt sei. Andere bringen Geschenke mit, darunter einen Blumenstrauß, der prompt vom Wind auf die Seine geweht wurde, und eine Flasche Champagner, die am Sicherheitskontrollpunkt konfisziert wurde.
Die Stadtverwaltung spricht bereits von einer "hochzeitlichen Erfolgsgeschichte" und plant eine Silberhochzeit für die Brücke, bei der der Eiffelturm dann vielleicht eine neue Farbe bekommt. "Wir denken an Pastell", sagte der Sprecher, "etwas, das die Brücke nicht überstrahlt, aber auch nicht langweilig wirkt."
In der Zwischenzeit bilden sich die Warteschlangen weiter, und manche Besucher bringen inzwischen Campingstühle und Picknickkörbe mit. "Wenn wir schon warten müssen, können wir es uns auch bequem machen", sagte eine Familie aus Lyon, die bereits seit sechs Stunden anstand und hoffte, noch vor Sonnenuntergang die Brücke zu erreichen.
Der Eiffelturm selbst verhält sich zugeknöpft. Man hört, er sei ein wenig eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die seine Frau bekommt. Aber das ist Paris: Immer muss einer der Schönere sein.