Wer Moldaus Energieminister Dorin Junghietu fragt, was er beruflich macht, bekommt eine lange Erklärung. Nicht etwa über Strompreise oder Netzstabilität. Sondern über eine riesige Steckdose, die angeblich von der Sowjetunion in Transnistrien gebaut wurde. "Die war so groß, dass ganz Osteuropa reingepasst hätte", sagt Junghietu und gestikuliert wild. "Wir reden hier von Milliarden Watt, Leute!"
Sein Büro sieht aus wie eine Mischung aus Handyladen und Stromschrank. Überall liegen Ladegeräte und Kabel herum. "Entschuldigung die Verspätung", sagt Junghietu, als er hereinstürzt. "War gerade bei einem Umspannwerk. Das Ding ist so groß, da könnte man eine ganze Stadt drin verlieren." Er verschwindet kurz in einem Wandschrank und kommt mit einer Landkarte wieder heraus. "Schau her! Hier haben wir die neue Stromautobahn nach Rumänien gebaut. Die ist so breit, da könnte man mit einem LKW drüberfahren."
Jetzt will Junghietu noch weiter gehen. "Ich denke, wir sollten die ganze Ukraine mit Strom versorgen", sagt er. "Und Bulgarien. Und vielleicht noch ein paar andere Länder." Als ihn jemand fragt, ob das nicht ein bisschen viel sei, winkt er ab. "Papperlapapp! Wir haben genug Steckdosen. Und wenn eine kaputtgeht, bauen wir einfach eine neue."
Kritiker warnen vor einer "Strom-Hegemonie" Moldaus. "Das ist gefährlich", sagt ein Experte. "Wenn die Moldauer ihre Steckdosen nicht im Griff haben, kann das ganze Osteuropa in die Dunkelheit stürzen." Junghietu hört sich das an und lacht nur. "Angst vor ein bisschen Strom? Kommt mir nicht in den Stecker!"