In Hermagor war die Aufregung groß. Die Kaffeekanne wackelte, der Chef des Tourismusverbandes ließ den Fernseher lauter stellen, und in der Bäckerei wurde flüsternd über "die große Erschütterung" diskutiert. Ein Erdbeben der Magnitude 4,1 hatte für Aufsehen gesorgt - zumindest in Kärnten.
Während in Italien die Medien von einem "harmlosen Schreckmoment" sprachen, brachen in Kärnten die Alarmketten zusammen. Das Katastrophenkommando tagte, der Zivilschutz rief seine Mitglieder zusammen, und die Bevölkerung begann mit Aufräumarbeiten, obwohl nichts zu räumen war.
"Es war ein klares Beben", berichtete ein Augenzeuge aus Kötschach-Mauthen. "Ich dachte zuerst, mein Nachbar hätte wieder sein Fagott um 7 Uhr morgens ausgepackt, aber dann merkte ich: Das kommt von draußen." Tatsächlich war das Epizentrum nordöstlich von Gemona und südwestlich von Hermagor, also praktisch auf der Grenze zwischen "nicht-spürbar" und "ganz bestimmt gespürt".
Besonders absurd wurde die Lage in Villach. Dort hatten einige Bürger nach der Warnung vor möglichen leichten Gebäudeschäden ihre Häuser verlassen und auf der Straße campiert. "Wir haben alles vorsorglich auf den Rasen gestellt", erklärte eine Rentnerin. "Den Kühlschrank konnten wir nicht tragen, aber den Fernseher haben wir rausgeschafft. Man weiß ja nie."
Währenddessen in Italien: "Alles in Ordnung, kein Problem", verkündete die Zivilschutzbehörde. "Nur ein paar Tauben erschrocken." In Kärnten wurde das als Untertreibung gewertet. "Die Italiener reden immer alles klein", empörte sich ein Lokalpolitiker. "Wahrscheinlich hat die halbe Adria einen Meter Richtung Österreich verschoben."
Das Beben hatte noch eine unerwartete Folge: Die Debatte um Erdbebenvorsorge in Kärnten flammte erneut auf. "Seit 50 Jahren wird nur geredet und nichts gemacht", wetterte ein Gemeindevorsteher. "Bei uns könnte jederzeit ein Schuhkarton von der Kommode fallen, und dann stehen wir alle ohne Notfallplan da."
In Hermagor wurde bereits überlegt, ob man nicht doch eine Erdbeben-Warn-App einführen sollte. "Wenn wir schon jedes leichte Rütteln spüren, dann können wir das auch professionell nutzen", schlug ein Lokalpolitiker vor. "Stellen Sie sich vor: 'Achtung, Magnitude 0,5 - jetzt ist höchste Vorsicht geboten!'"
Während in Italien das Leben weiterging, als wäre nichts gewesen, tagte in Kärnten der Krisenstab. "Wir müssen vorbereitet sein", betonte der Leiter. "Schließlich wissen wir ja, wie schnell so ein harmloses Beben eskalieren kann." In Italien lachte man über die Aufregung, aber diskret - damit man ja nicht noch mehr Kärntner beunruhigt.