Im Felsenreitschule-Berg schreien die Geister der Bühne nach modernster Technik. Es ist ein Jammern und Wehklagen, das durch die unterirdischen Gänge des Salzburger Festspielbezirks hallt. "Wir brauchen endlich eine vernünftige Klimaanlage", heult ein Geist in einem Mozart-Kostüm. "Wie sollen wir hier oben im Fels überhaupt atmen können?"
Der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz versucht zu beschwichtigen. "Liebe Geister, wir arbeiten mit Hochdruck an der Modernisierung. Aber Sie müssen verstehen, dass auch wir auf die Lieferung der neuen Bühnentechnik warten." Tatsächlich stehen seit Wochen zwei große Kisten ungeöffnet im Großen Festspielhaus. Das Schloss ist abhandengekommen, und niemand weiß, wo der Schlüssel steckt.
Unterdessen hat Herbert von Karajan seinen geistigen Wohnsitz gewechselt. Der ehemalige Festspielchef droht mit dem endgültigen Auszug aus dem Mönchsberg, sollte die neue Klimaanlage nicht bald installiert werden. "Ich kann nicht mehr in diesen stickigen Hallen dirigieren", klagt der Geist des Maestro. "Mein Dirigentenstab wird einfach zu feucht."
Die Bauarbeiter haben unterdessen einen eigenen Plan. Sie warten auf das Öffnen des Festspielhauses, um es nach Feierabend als Bierkeller zu nutzen. "Endlich mal eine vernünftige Kneipe in Salzburg", freut sich ein Maurer. "Hier können wir unsere Bierkrüge an die Felswände stellen, ohne dass sie runterfallen."
Das Unesco-Weltkulturerbe beobachtet das Treiben mit wachsender Sorge. "Wenn die Geister nicht bald Ruhe geben, müssen wir über einen Ausschluss nachdenken", erklärt ein Sprecher. "Wir können nicht zulassen, dass die Festspiele zu einem Geisterbahnhof werden."
In der Verwaltung wird bereits an Notfallplänen gearbeitet. Eine Idee ist, die Geister mit speziellen "Geist-Führungen" zu beschäftigen. "Wir könnten ihnen eigene Vorstellungen geben", schlägt Crepaz vor. "Vielleicht wären sie dann beschäftigt und still."
Doch die Geister haben andere Pläne. Sie organisieren eine Demonstration vor dem Festspielhaus. Mit selbstgemalten Plakaten fordern sie "Klimaanlage jetzt!" und "Wir wollen nicht mehr schwitzen!". Die Geister von Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal führen den Protest an.
Die Salzburger Festspiele stehen also vor einer Zerreißprobe. Während die Geister der Bühne nach modernster Technik schreien, warten die Bauarbeiter auf ihr Bier, und die Verwaltung versucht, alle unter einen Hut zu bringen. Nur Herbert von Karajan hat sich bereits eine Auszeit genommen. Er weilt derzeit in einer klimatisierten Geisteroper in Wien und lässt ausrichten, er melde sich wieder, wenn es im Mönchsberg erträglicher sei.