Was als Routineeinsatz begann, entwickelte sich zum spirituellen Erlebnis für die freiwilligen Helfer von Wolkersdorf. Kurz vor 16 Uhr wurde die Wehr alarmiert, doch was danach geschah, lässt sich nur als moderne Heldensage beschreiben.
Die Männer in ihren orangenen Jacken machten sich auf den Weg zur Riede Stixenkreutern. Doch dort angekommen, merkten sie: Sie waren verloren. "Wir sind hier", sagte der Kommandant in sein Funkgerät, "aber wir wissen nicht, wo hier ist." Das Funkgerät antwortete mit einem Signal, das eindeutig nach Gelächter klang.
Die Holzhütte brannte vor sich hin, ungerührt von der existenziellen Krise der Feuerwehrleute. Die Männer fuhren im Kreis, fuhren wieder im Kreis, fuhren im Kreis. Sie versuchten, Google Maps zu nutzen, doch das GPS hatte offensichtlich Urlaub in Kroatien gemacht.
Nach drei Stunden fanden sie die Hütte. Doch das war nicht das Einzige, was sie fanden. Sie fanden sich selbst. Sie fanden die Erkenntnis, dass moderne Technik versagt, wenn es darauf ankommt. Sie fanden die Wahrheit, dass manchmal der Weg das Ziel ist. Sie fanden die Erkenntnis, dass man mit einem Feuerwehrauto nicht durch einen Bach fahren kann.
Die Hütte war inzwischen zu Asche verbrannt. Die Männer standen davor und sahen zu, wie der Rauch in den Himmel stieg. "Das ist schön", sagte einer. "Ja", sagte ein anderer. "Wir haben versagt, aber wir haben etwas gelernt."
Die Feuerwehr Wolkersdorf kehrte mit leeren Händen zurück. Doch ihre Seelen waren voller Weisheit. Sie hatten gelernt, dass manchmal das Wichtigste nicht ist, was man erreicht, sondern was man auf dem Weg dorthin erlebt. Sie hatten gelernt, dass man im Wald nicht immer den Weg findet, aber manchmal sich selbst.
Die Gemeinde Wolkersdorf überlegt nun, den Mitgliedern der Feuerwehr einen Psychologen zur Verfügung zu stellen. Doch die Männer winken ab. "Wir brauchen keinen Psychologen", sagen sie. "Wir brauchen nur einen Kompass und ein funktionierendes GPS."
In der Riede Stixenkreutern steht nun eine neue Hütte. Die Feuerwehr Wolkersdorf hat einen neuen Einsatzplan erstellt. Darin steht: Falls es wieder brennt, erstmal eine Stunde meditieren. Dann schauen, ob sich der Brand von selbst gelöst hat. Falls nicht, die Einsatzstelle anrufen und fragen, ob sie noch da ist.
Die Männer in orangenen Jacken sind weiser geworden. Sie wissen jetzt: Manchmal ist das Größte, was man erreichen kann, die Erkenntnis, dass man verloren ist. Und manchmal ist das Beste, was man tun kann, einfach da zu stehen und zuzusehen, wie die Welt untergeht.