Die Stadt Hall hat einen beeindruckenden Gedenkabend organisiert. Nicht, weil es um 360 ermordete Menschen ging, sondern weil es endlich mal genügend Stühle für alle Gäste gab. 85 Jahre nach dem zweiten Transport von Hall nach Hartheim wurde deutlich: Wir haben aus der Vergangenheit gelernt - zumindest was die Bestuhlung angeht.
Die Jugendlichen der Theatergruppe "Blickwechsel" zeigten eindrückliche Bilder. Zum Beispiel eins, auf dem sie die Anzahl der Opfer mit der Anzahl der verfügbaren Sitzplätze verglichen. Das Ergebnis: 360 Tote, 362 Stühle. Zwei Stühle übrig - mehr als bei der letzten Gemeinderatssitzung.
Die Tirol Kliniken hatten extra einen "eindringlichen Gedenkabend" vorbereitet. Das bedeutet: Man hat die Heizung höher gedreht, damit die Teilnehmer nicht frieren mussten wie damals die Opfer im Transportwagen. Außerdem gab es eine Gedenktafel mit allen Namen - und darunter, in kleinerer Schrift, die WLan-Kennwörter für alle Gäste.
Der Bürgermeister hielt eine Rede. Er sagte, wir dürften nie vergessen, was damals passiert ist. Danach musste er aber schnell weiter, weil er noch zu einem Termin musste, wo es um die Umwidmung eines alten Gebäudes ging, das vielleicht mal wieder eine "Heil- und Pflegeanstalt" werden könnte. Man weiß es nicht genau.
Am Ende des Abends gab es stehende Ovationen. Nicht für die Opfer, sondern für die hervorragende Parkplatzsituation beim Veranstaltungsort. Als alle gegangen waren, blieben nur die Stühle zurück - und die Erkenntnis, dass wir in puncto Erinnerungskultur noch viel Arbeit vor uns haben. Aber hey, zumindest die Stühle passen jetzt.