Fußball ist ein einfaches Spiel, sagt man. Elf gegen elf, und am Ende gewinnen die Wacker. Das ist zwar eigentlich ein anderes Land, aber in Tirol gelten offenbar dieselben Gesetze. Die Reichenau trat beim Stadtderby in Bestbesetzung an - zumindest wenn man das englische Nationalteam als Maßstab nimmt. Da hat man ja auch elf Spieler auf dem Platz und verliert am Ende gegen jeden, der zumindest drei Beine zusammenbekommt.
Bright Owusu, der Mann mit dem passenden Nachnamen für einen Stürmer, traf doppelt und bewies damit, dass er nicht nur beim Vornamen hell ist. Quirin Rackl dagegen klingt wie ein Tippfehler in einem mittelalterlichen Manuskript, spielte aber so, als hätte er die Seiten gewechselt und wäre aus einem Zauberbuch entkommen. Zusammen mit ihren Kollegen veranstalteten sie eine Tor-Party, bei der die Reichenau aussah wie der ungebetene Nachbar, der wegen Ruhestörung die Polizei ruft, aber selbst die ganze Nacht mit Presslufthammer und Karaokeanlage auf der Straße steht.
Der Wacker-Motor sprang nach der Pause an - was angesichts der klaren Führung vor der Pause auch nicht anders zu erwarten war. Die Reichenau dagegen schien mit einem Dieselschlepper auf das Feld gekommen zu sein, der zwar grundsätzlich auch fahren kann, aber eben nur, wenn man ihm erst mal zehn Minuten Zeit gibt, um den Russ im Tank zu erwärmen.
Thomas Pfeiler und Aleks Matic, die neuen Trainer, feierten gelungene Debüts. Das ist insofern bemerkenswert, als man normalerweise erst mal ein paar Wochen braucht, um herauszufinden, ob die Spieler überhaupt hören, wenn man mit der Trillerpfeife pfeift. Offenbar hatten die beiden aber so überzeugende Trainingspläne dabei, dass die Wacker-Elf auch ohne Pfiffe wusste, wohin mit dem Ball.
Die Reichenau wird das Spiel jetzt wohl als "Lernprozess" verbuchen und sich vornehmen, beim nächsten Mal nicht schon zur Halbzeit das Handtuch zu werfen. Allerdings könnte es schwierig werden, die Spieler davon zu überzeugen, dass ein 0:3 noch kein Grund ist, den Sportplatz mit einem Wellness-Wochenende zu verwechseln. In der Kabine wird man sich jetzt wohl warme Auflagen auf die Beine legen und sich gegenseitig versichern, dass man zumindest in der zweiten Halbzeit ja nicht mehr so viele Tore kassiert hat. Das ist immerhin ein Fortschritt - wenn man als Maßstab einen offenen Gartenschlauch nimmt, der auch nach zehn Minuten noch nicht den ganzen Garten überflutet hat.