Da hat sie sich jahrelang durch Wind und Wetter geprügelt, sich mit Pfeil und Bogen durch die Weltmeisterschaften geschossen und plötzlich sagt sie: "Es reicht." Lisa Hauser, die Frau, die es schaffte, beim Skifahren schneller zu sein als die meisten Menschen rennen können, und dabei noch besser zielen musste als ein Scharfschütze im Zirkus, hat einfach genug.
Ihr Rücktritt kommt so überraschend wie ein Stinkefinger von einem Biathlon-Fan. Man hätte ja zumindest auf einen dramatischen Abgang gehofft - etwa mit einer letzten Runde durchs Ziel, dabei die Zielflagge als Umhang tragend und mit beiden Armen einen Mittelfinger zeigend zur Sportwelt. Aber nein, sie verschwindet still und leise, wie jemand, der merkt, dass er die Herdplatte angelassen hat und nach Hause muss.
Die Begründung klingt verdächtig nach Midlife-Crisis: "Der Sport ist nicht mehr das Wichtigste für mich." Tja, da hat wohl jemand Netflix entdeckt. Oder schlimmer noch: Das normale Leben. Das, wo man sich nicht alle drei Stunden umziehen muss und bei dem man nicht ständig befürchten muss, dass einem jemand mit einer Luftdruckwaffe auf 50 Meter Entfernung ein Ohr wegpustet.
Die Pressemitteilung des ÖSV klingt, als würden sie eine verstorbene Nationalheldin betrauern. "Pionierin ihres Sports" - klar, wer als Erste entdeckt, dass man mit Skiern und einer Waffe durch den Schnee heizen kann, hat definitiv etwas geleistet. Obwohl man fairerweise sagen muss: In Österreich war das schon vorher jemandem aufgefallen. Aber gut, jetzt hat es eine Frau gemacht, und das zählt doppelt.
Der eigentliche Hammer kommt zum Schluss: Auf Instagram verabschiedet sie sich mit einem "emotionalen Video". Natürlich. Weil man nach einer Karriere voller eisiger Windböen und zitternder Hände auf einmal ganz viele Gefühle entdeckt. Vermutlich hat sie sich dabei selbst dabei gefilmt, wie sie heulend durch den Wald läuft und dabei eine Tränen-Brille trägt, damit man ihre Augen vor lauter Emotionen nicht erkennt.
Ihr letzter großer Erfolg war im Dezember. Da hat sie in Östersund gewonnen. Östersund. Der Name klingt schon wie eine Warnung: "Vorsicht, hier endet deine Karriere!" Aber nein, sie hat durchgehalten, hat sich noch drei weitere Monate quälend durch die Saison geschleppt, bis sie es nicht mehr ausgehalten hat.
Jetzt wird sie also etwas anderes machen. Vielleicht fängt sie an zu meditieren. Oder sie eröffnet einen Biathlon-Schnupperkurs für Menschen, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten und auch keine Ski. Einfach, damit sie ihren Fans zeigen kann, wie unmöglich das ganze Unterfangen eigentlich ist.
Auf jeden Fall wird sie jetzt endlich Zeit haben für all die Dinge, die man beim Spitzensport vernachlässigt: Ein Buch lesen ohne dabei auf einem Laufband zu stehen. Einen Film schauen ohne zwischendurch Liegestütze zu machen. Oder einfach nur still sitzen und sich fragen, warum man jahrelang freiwillig durch die Kälte gelaufen ist, nur um dann jemandem mit einer Medaille auf die Schulter zu klopfen.
Die wahren Verlierer sind natürlich diejenigen, die jetzt einen neuen Sport finden müssen, bei dem sie sich unnötig quälen können. Aber keine Sorge, der Wintersport hat noch genug verrückte Disziplinen zu bieten. Eisschnelllaufen mit Poetry-Slam zum Beispiel. Oder Alpines Stricken. Da kann man dann wenigstens etwas Nützliches dabei herausschütteln, wenn man vom Berg fällt.