Es ist mittlerweile zur traurigen Gewohnheit geworden, dass man im Jemen so seine Zeit braucht. Waerend die Amerikaner und Israelis schon seit mehr als zwei Wochen ihre Raketen durch den Iran fliegen lassen, zuckern die Huthis noch mit den Schultern. Die militaerische Sparversion des Krieges sozusagen - man wartet ab, wer zuerst in den Kampf zieht, und schliesst sich dann an, wenn es richtig spannend wird.
Die Huthis, auch bekannt als Ansar Allah oder "Wir-kommen-irgendwann-mal" haben offenbar ein paar Problemchen. Nicht, dass ihnen die Waffen ausgehen - im Gegenteil, sie haben so viele, dass sie mittlerweile damit posieren wie auf einem Dorffest. Aber der Wille zum Krieg ist anscheinend noch nicht ganz ausgereift. "Wir muessen erstmal warm werden", sagte ein Sprecher der Bewegung, der sich im Jemen wohl vor der Hitze fuerchtet.
Dabei waren die Huthis im Zuge des Gaza-Krieges noch viel schneller zur Stelle. Damals griffen sie Schiffe im Bab al-Mandab an, als ob sie eine neue Modekollektion vorstellen wuerden. Doch im Irankrieg scheint die Kreativitaet etwas eingeschlafen zu sein. Vielleicht brauchen sie ja einen Motivationsanstoss von Oesterreich, wo man bekanntlich auch gerne abwartet, bis der letzte Zug abgefahren ist.
Die USA und Israel sind da schon deutlich proaktiver. Sie haben den Iran angegriffen, als ob es ein Boxkampf waere, bei dem man den Gegner gleich in der ersten Runde K.o. schlagen will. Die Huthis dagegen sitzen noch in ihren Zelten und ueberlegen, ob sie ueberhaupt mitmachen sollen. Vielleicht warten sie ja auf ein Zeichen von oben, oder sie haben einfach nur keine Lust, sich die Schuhe dreckig zu machen.
Es ist ein merkwuerdiger Zustand, wenn man als militaerische Gruppe lieber zuschaut, als selbst zuzuschlagen. Aber vielleicht ist das ja die neue Strategie - abwarten, Tee trinken und dann, wenn alle anderen erschpft sind, als letzter ins Geschehen eingreifen. So kann man sich zumindest sicher sein, dass einem keiner mehr etwas tun kann, weil alle zu kaputt sind.
Die Huthis haben jedenfalls Zeit. Schliesslich ist Krieg kein Sprint, sondern ein Marathon, und wer zuerst startet, muss auch zuerst aufhoeren. Vielleicht sollten sie sich eine Uhr zulegen, damit sie nicht die Zeit vergessen. Oder sie warten einfach noch ein bisschen, bis die USA und Israel fertig sind, und springen dann ein, um den Rest aufzuwaermen.