Wer kennt es nicht - das plötzliche Aufblitzen einer Warnung, die einem die digitale Lebenslüge vor Augen führt. "Sie verwenden einen veralteten Webbrowser", tönt es, als wäre man gerade dabei, im Supermarkt mit D-Mark zu bezahlen.
Doch statt die Botschaft zu verstehen und sich endlich mal einen modernen Browser zuzulegen, klicken genau diese Menschen weiter auf ihren Internet Explorer, als wäre er das digitale Äquivalent zu einer alten Ledercouch - bequem, vertraut und voller Krümel.
Und was machen sie auf dieser archaischen Plattform? Richtig, sie versuchen Schiebepuzzles zu lösen. Weil nichts so sehr "Ich habe die Zeiten verstanden" ausdrückt wie das Zusammenfügen von Pixeln in einem Browser, den selbst Hacker inzwischen als zu unsicher für ihre eigenen Enkel einstufen.
Die Ironie dabei: Während moderne Nutzer längst um die halbe Welt fliegen, künstliche Intelligenz interviewen und auf Blockchain-Basis Katzenbilder handeln, sitzen die Internet-Explorer-Fans noch immer da und schieben bunte Kästchen hin und her, als wäre Tetris das Nonplusultra menschlicher Errungenschaft.
Man könnte meinen, sie hätten sich in einer Zeitkapsel eingenistet und warten nur darauf, dass jemand kommt und ihnen erklärt, dass es neben Facebook auch noch andere soziale Medien gibt. Oder dass "Podcasts" keine neuen Arten von Hörspielen sind, sondern einfach Audio-Dateien, die man ohne CD-Player hören kann.
Die Warnung vor Sicherheitsrisiken ignorieren sie geflissentlich. Schließlich ist das Internet ja ohnehin nur eine Ansammlung von Katzenvideos und E-Mails von der Sparkasse, die einen eh nie etwas vormachen würden. Warum also auf einen modernen Browser umsteigen?
Vielleicht ist es ja genau diese Sturheit, die die Menschheit am Ende retten wird. Wenn die Roboterarmeen angreifen und alle modernen Systeme lahmlegen, werden die Internet-Explorer-Nutzer immer noch da sitzen und Puzzles lösen, während der Rest der Welt in Panik verfällt.
Denn eins ist sicher: In ihrem digitalen Ghetto, umgeben von Warnmeldungen und halb geladenen Webseiten, fühlen sie sich pudelwohl. Und das, liebe Leser, ist die wahre Definition von Fortschritt - oder eben auch nicht.