Also gut, hier ist der satirische Text:
Der Iran schickt Drohnen. Israel bombardiert zurück. Der Rest der Welt schaut zu, twittert Empörung und twittert wieder zurück, wenn der nächste Raketenalarm ertönt. Eine wahrhaft globale Performance, bei der alle mitspielen, aber niemand weiß, ob es Theater oder Realität ist.
Die größte Herausforderung besteht darin, die Überschriften auseinanderzuhalten. "Raketenangriff", "Gegenschlag", "weitere Eskalation" – alles klingt wie die Tracklist einer Heavy-Metal-Band, die sich auf den Untergang spezialisiert hat. Man könnte meinen, es gäbe eine internationale Ausschreibung für das dramatischste Kriegsgeschehen, und alle Teilnehmer liefern sich ein atemberaubendes Kopf-an-Kopf-Rennen.
Währenddessen sitzen Experten in Fernsehstudios und erklären, wer jetzt "eigentlich" recht hat. Einige tragen Krawatten, andere Sakkos ohne Krawatte – als wäre die Stoffwahl am Revers entscheidend für die geopolitische Analyse. Dazwischen erklären Politiker, dass "deeskalierende Maßnahmen" nötig seien, während ihre Assistenten fieberhaft nachschauen, ob es dafür schon einen Hashtag gibt.
Die eigentliche Sensation des Tages: Eine Drohne, die sich verirrt hatte, landete auf einem Dach in Tel Aviv. Der Hausbesitzer bot ihr erst Tee an, dann ließ er sie von der Feuerwehr bergen. Sie wird nun als "Zeuge" vernommen und soll laut Gerüchten in einem Friedensgipfel als Mediator auftreten. Die Aussage lautet bislang: "Piep."
Im Netz kursiert unterdessen ein Meme, das Netanjahu und Chamenei als Gladiatoren im Colosseum zeigt, umringt von getippten Emojis, die für Raketen stehen. Die Bildunterschrift lautet: "Wenn ihr es nicht hinbekommt, machen wir es wenigstens witzig." Die Ironie daran: Das Meme wurde tatsächlich von einem Server in Teheran aus verbreitet, der prompt von einer israelischen Cyber-Einheit blockiert wurde. Das wiederum führte zu einem Shitstorm von Digital-Natives, die nun "Meinungsfreiheit für Memes" fordern.
Apropos Memes: Die Golfstaaten meldeten Raketenbeschuss, sind sich aber noch uneins, ob sie nun protestieren oder gratulieren sollen. Ein Sprecher aus Abu Dhabi sagte: "Wir wissen nicht, ob wir wütend oder beeindruckt sein sollen. Die Präzision ist bemerkenswert. Respekt, aber auch: Stopp." Man wolle sich nun "diplomatisch-bedachtsam" positionieren, was so viel heißt wie: "Wir schauen zu und hoffen, dass es nicht uns trifft."
In Wien gibt es derweil eine spontane Friedens-Demonstration. Die Teilnehmer tragen Schilder mit Aufschriften wie "Nie wieder Krieg" und "Atomwaffen sind doof". Ein Redner hält eine flammende Rede, in der er vor allem seine Yoga-Lehrerin zitiert. Der Applaus ist ehrlich, die Wirkung auf den Nahen Osten: minimal.
Die EU berät über "klare Worte", hat aber noch keine Einigung darüber, in welcher Sprache diese gesprochen werden sollen. Englisch scheitert am Brexit, Französisch wirkt arrogant, Deutsch zu befehlslastig. Man entscheidet sich vorerst für Esperanto, um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Die Pressekonferenz dazu wurde auf YouTube live gestreamt, erreichte aber nur 342 Klicks – darunter 217 aus dem Vorfeld neugieriger Katzen, die auf den Tasten der Redakteure herumtappten.
Die wirkliche Frage bleibt: Wie oft kann man noch "neue Eskalationswelle" sagen, bevor es niemanden mehr interessiert? Social-Media-Experten schätzen: Noch etwa drei Runden, dann überrollt uns das nächste globale Schreckensszenario. Bis dahin heißt es: Abwarten, Popcorn bereitstellen und auf den nächsten Tweet mit der Aufschrift "Breaking News" hoffen.
Und sollte es tatsächlich zu einem großen Knall kommen, hat ein österreichischer Satiriker bereits ein T-Shirt-Design vorbereitet: "Ich habe den Dritten Weltkrieg überlebt und alles, was ich dafür bekam, war dieses beschissene T-Shirt." Produziert wird es in Bangladesch, fair gehandelt, versteht sich.