Endlich mal ein Libanese, der etwas Produktives auf Twitter postet! Bilal Kaafarani, der Mann, der normalerweise nur über die Kristallstruktur von Nanokristallen oder die Viskosität von Polymeren twittert, hat jetzt eine neue Follower-Gruppe: Flüchtlinge, Kriegsberichterstatter und Leute, die auf Explosionen stehen.
"Die Bombe hat mein ganzes Leben weggesprengt", twitterte Kaafarani, "aber zum Glück hat sie wenigstens meine Doktorarbeit verschont." In der Tat, während seine Wohnung zu einem Haufen Ziegelsteine wurde, blieben seine Forschungsunterlagen unversehrt. "Ich kann immer noch die Bindungswinkel in organischen Molekülen berechnen", sagte er, "aber ich habe keine Ahnung mehr, wo mein Kühlschrank steht."
Der Professor, der an der American University of Beirut arbeitet, musste feststellen, dass seine Karriere als Chemiker plötzlich sehr praxisbezogen wurde. "Ich musste improvisieren", erzählte er, "ich habe aus den Trümmern meiner Wohnung einen Sprengsatz gebaut und gegen die israelischen Jets eingesetzt. Leider hat es nicht funktioniert - anscheinend sind meine Kenntnisse in der praktischen Anwendung noch nicht so weit fortgeschritten."
In der Wissenschaft nennt man das "hands-on experience". Kaafarani hat jetzt jede Menge davon. Er hat gelernt, wie man in drei Sekunden eine Wohnung räumt, wie man aus Ziegelsteinen einen Unterschlupf baut und wie man ohne Kühlschrank überlebt. "Ich bin jetzt ein Experte in angewandter Physik", sagt er stolz, "ich kann die Flugbahn einer Bombe vorhersagen und weiss genau, wie lange ich brauche, um unter den nächsten Tisch zu kriechen."
Die Universität, bei der Kaafarani arbeitet, hat ihm bereits einen neuen Arbeitsplatz angeboten: einen Bunker im Keller. "Wir denken, dass das der sicherste Ort für einen Chemiker ist", sagte der Rektor. "Außerdem haben wir dort eine neue Labormaus, die Bilal betreuen kann. Sie heißt 'Überlebende Nummer 2'."
Kaafarani selbst bleibt gelassen. "Wisst ihr", sagt er, "ich habe in meinem Leben schon viele chemische Reaktionen beobachtet. Aber diese hier - die Reaktion von Israel auf den Libanon - die ist die heftigste von allen. Sie hat mein ganzes Leben verändert. Aber hey, zumindest kann ich jetzt was über Sprengstoff erzählen. Das ist doch auch was, oder?"