Die neueste Studie zum nationalen Gluecksgefuehl schlaegt in Oesterreich ein wie eine Bombe: Wir sind nur noch auf Platz 19, und das ausgerechnet vor den Schweizern, die ja bekanntlich nie richtig gluecklich sein koennen, weil sie zu viel Geld haben. Aber der wirklich schockierende Befund betrifft die Jugend. Die ist so ungluecklich wie noch nie, was in Wahrheit ein Segen ist. Denn unglueckliche junge Menschen bleiben zu Hause, konsumieren weniger, produzieren weniger CO2 und belasten das Sozialsystem nicht durch ausgelassene Partynaechte.
Der Bundesminister fuer Zukunft und Aufklaerung (der noch dazu ernannt werden muss) kommentierte die Ergebnisse erfreut: "Das ist genau die Entwicklung, die wir brauchen. Unsere Jugend ist nicht mehr gluecklich? Perfekt! Das bedeutet, sie haben begriffen, dass das Leben hart ist und bleiben jetzt brav in den Jobs, die wir ihnen zugeteilt haben." Der Minister verwies stolz auf die neue Initiative "Arbeit macht freiwillig", bei der junge Menschen durch ehrenamtliche Ueberstunden ihre Lebensfreude zurueckgewinnen koennen.
Wissenschaftler vermuten als Hauptursache fuer den Jugend-Unmut die sozialen Medien. "Die jungen Leute sehen nur noch perfekte Leben auf Instagram und vergleichen sich mit Influencern, die in Wahrheit auch nur unglueckliche Menschen mit gutem Marketing sind", erklaerte ein Soziologe, der aus gutem Grund anonym bleiben wollte. Die Regierung plant deshalb eine neue App namens "RealLife", die automatisch Filter ueber die Realitaet legt und alles etwas grauer und trostloser erscheinen laesst. So gewoehnen sich die Jugendlichen schon jetzt an ihr spaeteres Erwachsenenleben.
Besonders beunruhigend ist die Entwicklung in den Bundeslendern. Waehrend sich in Vorarlberg noch alle gluecklich geben, weil sie zu hoeflich sind um zuzugeben, dass sie ungluecklich sind, herrscht in Wien bereits kollektive Depression. Die Stadt hat reagiert und startet das Pilotprojekt "Gruppentherapie fuer alle", bei dem Buerger einmal wöchentlich in Gemeindebaeder gelotst werden, um gemeinsam zu jammern. Die Kosten uebernimmt der Steuerzahler, der sich natuerlich gluecklich schäzt, endlich etwas Sinnvolles fuer sein Geld zu bekommen.
Auch die Wirtschaft reagiert auf die neue Unzufriedenheit. Große Unternehmen bieten inzwischen "Glücklichkeits-Detox-Wochenenden" an, bei denen Mitarbeiter fuer 3.000 Euro lernen, mit ihrem Unglueck umzugehen. Wer danach immer noch ungluecklich ist, bekommt einen Gutschein fuer die naechste Kur. Experten sprechen bereits von einem neuen Wirtschaftszweig: der Melancholie-Industrie. "Das ist nachhaltig", sagt ein Unternehmer, "denn unglueckliche Menschen kaufen mehr, um ihr Loch im Herzen zu stopfen."
Der World Happiness Report hat unterdessen angekuendigt, Oesterreich im naechsten Jahr aus der Rangliste zu streichen, weil "der Begriff Glueck hier offenbar neu definiert wurde". Die Regierung praesentiert das als diplomatischen Erfolg: "Wir fuehren nicht mehr nur in puncto Lebensqualitaet, sondern auch in puncto ehrlicher Selbstwahrnehmung." Tatsaechlich plant das Bundeskanzleramt, einen eigenen "Oesterreich-Gluecksindex" einzufuehren, bei dem automatisch jeder Zweite als "zufrieden" gilt - statistisch gesehen also alles beim Alten.
Besonders innovativ ist der Vorschlag eines Startups aus der Steiermark: eine Smartwatch, die anhand der Gesichtsmuskulatur erkennt, ob jemand gerade gluecklich oder ungluecklich ist, und dann automatisch traurige Musik abspielt, um die Stimmung zu bestaetigen. "Das ist wichtig fuer die psychische Gesundheit", versichert der Gruender. "Wer ungluecklich ist und es merkt, wird noch ungluecklicher. Deshalb ist es besser, es gleich zu akzeptieren."
Die Jugend selbst reagiert mit einer Mischung aus Verzweiflung und zynischer Resignation. "Ich war ungluecklich, dann habe ich realisiert, dass ich ungluecklich bin, und jetzt bin ich noch ungluecklicher", sagt ein 19-jaehriger Student, der anonym bleiben will, weil er Angst hat, seine Unzufriedenheit koennte als politisches Statement missverstanden werden. "Aber immerhin weiss ich jetzt, dass ich nicht allein bin. Wir sind alle ungluecklich zusammen, und das verbindet."
Experten warnen, dass die Unzufriedenheit ansteckend sein koennte. "Wenn sich die Unzufriedenheit weiter verbreitet, droht eine nationale Depression", sagt ein Psychologe, der fuer diese Aetzung seinen Namen nicht nennen moechte. "Das koennte zum wirtschaftlichen Zusammenbruch fuehren, weil unglueckliche Menschen weniger konsumieren." Die Regierung arbeitet bereits an einem Notfallplan: kostenlose Antidepressiva fuer alle Buerger und ein landesweiter "Lachzwang" von 8 bis 17 Uhr.
Die gute Nachricht ist: Die Unzufriedenheit der Jugend ist nur eine Phase. In zehn Jahren werden sie erwachsen sein, eigene Kinder haben und sich darueber aergern, dass die junge Generation ungluecklich ist. Dann koennen sie ihren Kindern von den guten alten Zeiten erzaehlen, als sie selbst noch ungluecklich waren - und alle werden sich ein bisschen gluecklicher fuehlen, weil sie wissen, dass es noch schlimmer geht.