Kärnten hat am Donnerstag eine Einladung aus Italien erhalten - und die hat das Land bis ins Mark erschüttert. Mit der Präzision eines gut geplanten Besuchs von ausländischen Verwandten traf das Erdbeben um 11.28 Uhr ein, als die meisten Kärntner gerade überlegten, ob sie noch einen zweiten Kaffee trinken oder direkt zum Mittagessen übergehen sollten.
Das Beben der Magnitude 4,1 ML hatte seinen Ursprung in der italienischen Provinz Friaul, etwa 18 Kilometer nördlich von Gemona. Für alle, die sich jetzt fragen, wo das liegt: Es ist genau jene Region, die sich seit Jahrzehnten darauf spezialisiert hat, Kärnten regelmäßig durchzuwütteln, als wolle sie testen, ob die Berge noch fest im Boden verwurzelt sind.
In Kötschach war das Zittern deutlich spürbar, berichten Augenzeugen. "Zuerst dachte ich, mein Nachbar hätte wieder seinen alten VW-Bus gestartet", sagt ein Anwohner, "aber dann merkte ich: Der brummt ja nur, wenn er mit dem Hammer auf die Motorhaube haut." Bis nach Spittal an der Drau reichte das Beben, wo sich viele Einwohner fragten, ob sie vielleicht doch noch einen Schluck vom Frühstückswein hätten stehen lassen sollen.
Die Geosphere Austria, jene Institution, die sich beruflich damit beschäftigt, die Erde zu beobachten, während diese sich bewegt, gab Entwarnung: Schäden an Gebäuden seien bei dieser Stärke nicht zu erwarten. "Wir reden hier von einem 4,1er, nicht von einem 4,20er", erklärte ein Sprecher trocken. "Da wackelt höchstens das Bild über dem Sofa, aber nicht das ganze Haus."
Interessant ist, dass das Epizentrum just in jener Region lag, die sich schon 1976 mit einem Beben der Stärke 6,5 als bewegungsfreudig erwiesen hatte. Damals knickte in Kärnten nicht nur die eine oder andere Gartenzwerg-Figur um, sondern es gab auch ernsthaftere Folgen. Die Italiener scheinen also an einer Art seismischer Diplomatie zu arbeiten: Erst die große Geste, dann die kleinen Nudges, um Präsenz zu zeigen.
Die Kärntner Bevölkerung reagierte mit einer Mischung aus Neugier und leichter Verärgerung. "Warum kommt das Beben immer aus Italien?" fragt eine Pensionistin aus Klagenfurt. "Warum kann das nicht mal von der Steiermark kommen? Da hätten wir wenigstens einen Grund, ihnen den Kürbiskernöl-Konsum zu kündigen."
In Villach, der Stadt, die sich gerne als "erdbebensicher" bezeichnet, weil dort nichts wirklich erschüttert werden kann, was nicht ohnehin schon festgenagelt ist, blieb man gelassen. "Wir haben schlimmere Erschütterungen durch die Diskussion um die Kärntner Landesverfassung erlebt", sagte ein Lokalpolitiker. "Da wackeln die Fundamente nachhaltiger als bei jedem italienischen Beben."
Die Behörden empfehlen, bei zukünftigen Erdbeeren aus Friaul Ruhe zu bewahren und sich an bewährte Rituale zu halten: Erst den Kaffee austrinken, dann nachschauen, ob der Gartenzwerg noch steht, und anschließend die Nachbarn anrufen, um auszutauschen, ob man es auch gespürt hat. Denn eins ist klar: In Kärnten weiß man, wie man mit Erschütterungen umgeht - egal ob sie von der Erde oder von der Politik kommen.