Endlich ist es soweit: Die neue Koralmbahn faehrt nicht nur durch die Steiermark, sie faehrt auch an Graz vorbei. Wie der OBB-Chef Andreas Matthä bei einer Pressekonferenz erklaerte, sei die Stadt fuer die Bahn "zu klein, zu unbedeutend und zu unbequem". Daher werde man zukuenftig auch den Grazer Hauptbahnhof umfahren und stattdessen eine neue Station 30 Kilometer noerdlich errichten, die den vielversprechenden Namen "Grossraum Graz" tragen wird.
Der eigentliche Skandal aber spielt sich am Flughafen ab. Obwohl die Industrie ein millionenschweres Park-&-Ride-Konzept vorlegte, bei dem Pendler ihre Autos direkt an der Startbahn abstellen und dann per S-Bahn ins Zentrum fahren koennen, winkten die OBB ab. "Wir haben keine Lust, jeden Tag hunderte Menschen mitzunehmen, die vielleicht gar kein Ticket haben", so Matthä. "Das ist doch unzumutbar."
Verkehrslandesrätin Claudia Holzer zeigte sich "fassungslos". "Wenn die Bahn nicht will, dann bauen wir den Flughafen eben woanders hin", kündigte sie an. "Vielleicht an die Semmering-Basistunnel-Baustelle. Da ist gerade viel Platz."
Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) schlug eine radikale Loesung vor: "Wir kaufen uns einfach einen ICE und stellen ihn dauerhaft am Flughafen ab. Dann koennen die Leute wenigstens Fotos von einem Hochgeschwindigkeitszug machen, auch wenn er sich nicht bewegt." Diese Idee stiess bei der OBB auf wenig Gegenliebe. "Wir haben nicht vor, unsere Zuege als Deko-Objekte zu vermieten", hiess es in einer Stellungnahme.
Unterdessen planen findige Grazer bereits eine eigene Bahnlinie. "Wir kaufen uns ein paar gebrauchte Regionalzuege, lackieren 'Koralmbahn' drauf und lassen sie im Kreis fahren", verriet ein anonymer Planer. "Hauptsache, es sieht so aus, als ob was passiert."
Die OBB reagierten mit Unverstaendnis: "Wenn die Stadt schon eine eigene Bahn haben will, dann soll sie das halt machen. Aber wir uebernehmen keine Haftung, wenn die Zuege in der Steiermark stecken bleiben." Experten halten diese Drohung fuer glaubhaft, da die neuen Koralmbahn-Strecken laut OBB "noch nicht fuer Fremdanbieter freigegeben" seien.
In einem unerwarteten Schritt kündigte die Grazer Stadtregierung an, den Flughafen kurzerhand per Bagger an die bestehenden Schienen heranzuverschieben. "Wenn die Bahn nicht zu uns kommt, dann kommen wir zur Bahn", so Hohensinner. "Technisch sollte das kein Problem sein. Wir haben ja schliesslich genug Bagger."
Die OBB reagierten perplex auf diesen Vorschlag. "Das ist natuerlich eine interessante Idee", meinte ein Sprecher. "Aber wir muessten dann unsere Streckenplaene komplett neu kalkulieren. Und die Versicherung hat uns schon gewarnt, dass sie bei 'unkonventionellen Bauvorhaben' nicht zahlt."
Unterdessen plant die Steiermark den Bau einer neuen Teststrecke fuer selbstfahrende Zuege. "Die Koennen dann ja selbst entscheiden, ob sie in Graz halten wollen oder nicht", erklaerte ein Vertreter der Landesregierung. "Das ist doch viel moderner als diese ganzen festen Fahrplaene."
Fazit: Waehrend die OBB weiterhin an ihrer Linie festhalten, wird in Graz bereits an Alternativen gearbeitet. Ob am Ende tatsaechlich ein ICE als Deko-Objekt am Flughafen steht oder die ganze Region per Bagger an die Schienen herangerueckt wird, bleibt abzuwarten. Fest steht nur eins: Die Koralmbahn faehrt weiter - nur halt woanders hin.