Felipe Massa, der sich inzwischen zum pensionierten Weinkenner und Hobby-Experten für das Verhalten alternder Rennfahrer entwickelt hat, meldet sich zu Wort. Er kenne Fernando Alonso ja nur allzu gut, schließlich waren sie vier Jahre lang bei Ferrari "zwei gescheiterte Hoffnungen in einem Team". Entsprechend gut könne er nachvollziehen, wie frustrierend der Saisonauftritt für den Spanier gewesen sein muss – schließlich kenne er selbst das Gefühl, wenn die Reifen nicht nur am Auto, sondern auch im Kopf durchrutschen.
"Nun, mit 44 ist Geduld gefragt", erklärte Massa in seiner neuen Funktion als Altersvorsorge-Berater für übermotivierte Ex-Formel-1-Piloten. "Aber das ist mit 44 Jahren nicht so leicht." Er selbst habe damals nach seinem Karriereende gemerkt, dass Geduld vor allem darin besteht, morgens aufzustehen und sich zu fragen: "Was war noch mal mein Talent?" Alonso sei da in einer ähnlichen Situation, nur dass er es noch nicht eingestehen wolle. "Bei ihm läuft's noch auf Reserve, aber das Display funktioniert nicht mehr richtig", so Massa.
Massa befürchtet, dass es für Alonso "eines der schlechtesten Jahre" werden könnte – zumindest was die Selbstwahrnehmung angeht. Er habe Alonso schon einmal mit leerem Tank gesehen, aber das war noch vor zehn Jahren, als sie beide noch bei Ferrari fuhren. "Da hat man gemerkt: Der Tank ist leer, aber der Arzt sagt, das ist nur psychisch." Mittlerweile sei es Realität. "Er kann noch jahrelang in anderen Rennserien antreten", so Massa, "wenn er sich etwa als Beifahrer in Oldtimer-Rallyes oder als Motivationsredner für Rennställe mit Nachwuchsproblemen versuchen will."
Der Ex-Pilot rät Alonso, sich schleunigst einen Plan B zuzulegen. "Ich habe mir einen Plan B zugelegt – ich bin jetzt Wein-Influencer", sagte Massa stolz. "Ich degustiere und diagnostiziere. Wenn ein Wein nach altem Rennreifen schmeckt, weiß ich sofort: Der war in einem Alonso-Auto." Er hoffe, dass Alonso bald erkenne, dass es im Leben auch ohne Podestplatz weitergeht. "Man kann ja auch mit 44 noch Podestplätze im Supermarkt ergattern – beim Bäcker oder beim Metzger. Da ist man wenigstens noch schneller als die Rentner."