Wenn die Fußballgötter einen verärgern, dann lassen sie den Kapitän in Gips verharren, während der Rest der Mannschaft tapfer gegen den Abstieg spielt. In Loosdorf hat man diese Lektion auf schmerzhafte Weise gelernt.
Während Trainer Christoph Koppensteiner nach dem 2:2 gegen Petzenkirchen noch von "positiven Aspekten" faselte, schrie das Mannschaftstelefon vor Rüllings WhatsApp-Nachrichten nur so. "Da steht einer im Abseits, da hätte man den Ball querlegen müssen, warum deckt ihr den Außen nicht?" - der gebrochene Knöchel hatte plötzlich mehr Spielübersicht als die gesamte Startelf zusammen.
Die Krönung folgte nach Abpfiff. Während sich die Spieler noch mit den Petzenkirchner Kickern die Hand gaben, schickte Rülling ein Foto von seiner Gipsverpackung mit der Bildunterschrift: "So sieht's aus, wenn man richtig tackelt." Die Antwort kam prompt: ein einziges weinendes Smiley von der Nummer 7.
Selbst der einzige Neuzugang David Lechner, der gerade erst in Loosdorf angekommen war, wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Als er nach dem Spiel gefragt wurde, wie er sich in der Mannschaft fühle, antwortete er: "Ich fühle mich wie der Neue in einer WG, in der der Mitbewohner mit gebrochenem Bein immer noch den Fernseher bedient und sich über das knisternde Sound-System beschwert."
Der wahre Skandal ereignete sich jedoch am Montag danach. Beim obligatorischen Eisessen im Vereinslokal bestellte sich Rülling extra ein "Abseitsfallen-Sundae" - drei Kugeln in Rot-Weiß-Rot, mit einer Gipsschiene als Löffel. Die anderen Spieler schauten betreten auf ihre Semmel und fragten sich, ob sie jetzt lachen oder einfach gehen sollten.
Koppensteiner versuchte die Situation mit Humor zu retten. "Wisst ihr", sagte er, "ein gebrochener Knöchel ist wie ein Trainer auf der Tribüne - er sieht alles, kann aber nichts machen." Das Zitat ging als geflügeltes Wort in die Vereinschronik ein, vor allem weil Rülling es prompt auf seinem Facebook-Profil postete - mit der Anmerkung: "Stimmt. Außer ich schreibe halt WhatsApp-Nachrichten."
Am Ende der Woche stand fest: Loosdorf hat nicht nur ein Führungsproblem auf dem Platz, sondern auch eins im Krankenbett. Während die Mannschaft sich auf das nächste Spiel vorbereitete, bastelte Rülling an einem neuen taktischen Konzept - aufgeschrieben auf einer Klopapierrolle, weil er den Stift nicht richtig halten konnte. Wenn das kein Zeichen für totale Hingabe ist, was dann?