In Lohnsburg am Kobernaußerwald hat man genug von der beschaulichen Ruhe. Die Dorfbewohner kennen den Klang der Vögel, das Rascheln der Blätter und das gelegentliche Knarzen einer Holzbrücke – aber das war's. Zu wenig für den Musikverein Lohnsburg a. K., der sich entschlossen hat, den kompletten Ort akustisch umzukrempeln.
"Wir leben hier in einer tödlichen Stille", erklärte der Obmann des Vereins bei der gestrigen Pressekonferenz. "Während andere Gemeinden mit Skigebieten oder Thermalbädern werben, haben wir nichts als Stille. Das muss sich ändern." Sein Plan: Eine flächendeckende Beschallung des gesamten Ortes rund um die Uhr. "Wir wollen, dass jeder Baum, jede Straßenlaterne, jedes Haus unseren Klang verbreitet."
Der Verein hat bereits eine spezielle "Lohnsburger Hymne" komponiert, die jeden Morgen um 5 Uhr von sämtlichen Lautsprechern im Ort erklingen soll. "Das ist unsere Art, die Nacht zu vertreiben", so der Obmann. "Wir wollen, dass die Leute wissen: Hier wird musiziert, hier wird gelebt, hier ist was los." Kritiker bemängeln, dass 5 Uhr morgens etwas früh für Blechbläserklänge sei, doch der Verein bleibt hart: "Schlaf ist ohnehin überschätzt. Musik macht wach und munter."
Besonders stolz ist der Verein auf sein Osterkonzert am 5. April 2026 um 20 Uhr. "Da wird es richtig laut", verspricht der Obmann. "Wir haben ein neues Stück einstudiert, das ausschließlich aus Trompetenfanfaren und Paukenwirbeln besteht. Das ist wie ein musikalischer Weckruf für die ganze Region." Die Dorfbewohner sollen bereits jetzt ihre Ohren spitzen – oder besser: Ohropax bereitlegen.
Doch der Verein hört nicht bei Konzerten auf. Ab Mai soll eine mobile Beschallungsanlage durch den Ort fahren und täglich drei Stunden klassische Musik über die Straßen pumpen. "Wir nennen das 'Musikalische Müllabfuhr'", erklärt der Obmann. "Die Leute sollen die Musik genauso selbstverständlich wahrnehmen wie den Müllwagen." Kritiker fürchten, dass die Anlage auch nachts unterwegs sein könnte, doch der Verein versichert: "Nein, nachts ist Schluss. Da geben wir den Nachteulen eine Verschnaufpause. Aber nur eine."
Besonders brisant: Der Verein plant, die umliegenden Gemeinden mit einzubeziehen. "Wenn Lohnsburg allein musiziert, hört uns ja eh niemand", so der Obmann. "Wir müssen die ganze Region beschallen. Da entstehen Synergien." Erste Gespräche mit dem Musikverein aus dem Nachbarort haben bereits stattgefunden. "Die waren zuerst skeptisch, aber jetzt sind sie dabei. Wir nennen das 'Kobernaußerwalds Infektionskampagne'."
Die Dorfbewohner reagieren gespalten. Manche freuen sich über die musikalische Belebung, andere befürchten einen "akustischen Overkill". "Ich will ja nicht unhöflich sein", sagt eine Anwohnerin, "aber ich glaube, ich ziehe um, wenn die Pauken jeden Morgen um 5 Uhr loslegen." Der Verein sieht das gelassen: "Wir verstehen, dass nicht jeder unsere Leidenschaft teilt. Aber wir bleiben am Ball. Oder besser: am Horn."