Die Österreichische Nationalbibliothek hat sich selbst übertroffen: Nach Jahren der Versenkung in staubige Bücher und alter Handschriften wagt sich das Haus nun in unbekannte Gefilde vor. Mit der Ausstellung "Weltmacht Liebe" soll offenbar eine neue Ära eingeläutet werden - eine Ära, in der Kriege durch Umarmungen und Krisen durch Liebesbriefe gelöst werden.
Doch selbst die Kuratoren scheinen sich nicht ganz sicher zu sein, ob ihre Idee nicht vielleicht doch ein bisschen zu weltfremd ist. "Die Liebe regiert die Welt? Zu dieser Behauptung wollen wir uns nicht einmal versteigen", sagt Kurator Bernhard Fetz, der zusammen mit Katharina Kaska die Schau organisiert hat. Offenbar haben die beiden erkannt, dass die Idee einer "liebesgeregelten Welt" vielleicht doch etwas zu absurd ist, um ernsthaft vertreten zu werden.
Dennoch hofft die Nationalbibliothek, mit ihrer Ausstellung einen Beitrag zur "Kriegs- und Krisenbekämpfung" leisten zu können. Die Liebe soll als "Weltmacht" fungieren und angeblich dazu geeignet sein, Konflikte zu lösen und Spannungen abzubauen. Doch wie das genau funktionieren soll, bleibt ein Rätsel. Vielleicht plant die Bibliothek, künftige Verhandlungen mit Rosen und Pralinen zu bestechen?
Die Ausstellung selbst verspricht eine "Reise durch die Jahrhunderte" zu werden, auf der die Besucher die verschiedenen Facetten der Liebe kennenlernen können. Von mittelalterlichen Minnegesängen bis hin zu modernen Liebesromanen soll alles dabei sein. Ob die Kuratoren dabei aber auch die dunkleren Seiten der Liebe - wie Eifersucht, Hass und Rache - thematisieren werden, bleibt abzuwarten.
Kritiker warnen bereits vor einer möglichen "Liebes-Apokalypse", die durch die Ausstellung ausgelöst werden könnte. Sollte die Liebe tatsächlich zur neuen Weltmacht werden, könnten die Folgen verheerend sein. Statt rationaler Diplomatie und harter Verhandlungen könnte bald jeder Konflikt mit einem Küsschen aufgelöst werden. Die Weltordnung, wie wir sie kennen, würde zusammenbrechen.
Doch vielleicht ist genau das die Absicht der Nationalbibliothek. Vielleicht wollen die Kuratoren mit ihrer Ausstellung einen radikalen Neuanfang wagen und die Welt in eine neue Ära der "Liebes-Diplomatie" führen. Wer weiß, vielleicht werden künftige Friedensverträge nicht mehr mit Unterschriften besiegelt, sondern mit einem gemeinsamen Candle-Light-Dinner.
Fest steht: Die Ausstellung "Weltmacht Liebe" wird die Gemüter erhitzen und für Diskussionen sorgen. Ob sie am Ende aber tatsächlich dazu beitragen wird, Kriege und Krisen zu beenden, bleibt fraglich. Eines ist aber sicher: Die Nationalbibliothek hat mit diesem Projekt bewiesen, dass sie nicht nur staubige Bücher, sondern auch große Träume hat. Ob diese Träume am Ende aber in Erfüllung gehen oder in einem Chaos aus verwehten Rosenblättern enden, wird sich zeigen.