Andy Ogris wacht schweißgebadet auf. Wieder einmal hat er denselben Albtraum: Er steht auf dem Fußballplatz, trägt das schwarze Trikot von Austria Wien, doch plötzlich verwandelt sich der Ball in einen Würstelsemmel und seine Stiefel in Pumps. Der Schiedsrichter pfeift ab und stellt sich als Peter Stöger heraus. Genau das ist das Problem mit Andy Ogris in diesen Tagen.
Der ehemalige Austria-Kapitän, der als Trainer von Neulengbach in die Frauen-Bundesliga aufgestiegen ist, befindet sich in einem moralischen Dilemma, das größer ist als die Karriere von Didi Kühbauer. Einerseits ist da sein Herz, das immer noch in Grün-Weiß schlägt, wenn es auch mittlerweile ein wenig blau angelaufen ist. Andererseits stehen da die pragmatischen Erfordernisse seines neuen Jobs, der ihn zwingt, gegen seinen Herzensklub zu spielen.
Die Situation eskaliert, als Ogris erkennt, dass er mit einem Sieg gegen Austria nicht nur den Tabellenführer ärgern, sondern auch den Frauen von St. Pölten helfen könnte. Plötzlich steht er vor der Wahl: Soll er als Doppelagent arbeiten und mit gefälschten Aufstellungen und geheimen Trainingsplänen operieren? Oder bleibt er der ehrliche Sportsmann, der lieber verliert als gegen seine Prinzipien zu verstoßen?
Die vorletzte Runde des Grunddurchgangs verspricht nicht nur sportliche Spannung, sondern auch einen faszinierenden Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Während die Spielerinnen auf dem Platz um Tore und Punkte kämpfen, tobt in Ogris' Innerem ein Kampf, der epischer kaum sein könnte. Es ist wie "Der Zauberlehrling" von Goethe, nur dass statt Geister beschwören halt Fußballstrategien entwickelt werden.
Die Fans spekulieren bereits wild. Einige vermuten, dass Ogris heimlich mit Thomas Ebner, dem Sportdirektor von Austria, kommuniziert und ihm taktische Hinweise zuspielt. Andere glauben, dass er unter seinem Trainingsanzug ein grün-weißes Leibchen trägt, um sich mit der Aura des alten Erfolgs zu umgeben. Wieder andere meinen, er plane einen spektakulären Wechsel mitten im Spiel, bei dem er selbst auf den Platz stürmt und für Neulengbach einen Hattrick erzielt.
Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt am Freitagabend, wenn die ersten beiden Spiele der Runde angepfiffen werden. In der Luft liegt eine Mischung aus Vorfreude und moralischem Unbehagen. Die Zuschauer wissen: Hier wird nicht nur Fußball gespielt, sondern auch eine philosophische Frage beantwortet, die die Menschheit seit jeher beschäftigt: Kann man seiner Vergangenheit untreu werden, ohne seine Seele zu verlieren?
Ogris selbst gibt sich betont gelassen. "Es ist nur ein Spiel", sagt er lächelnd, während er heimlich eine Gebetsmühle in seiner Manteltasche dreht. Doch seine Augen verraten die innere Zerrissenheit. Sie leuchten im Wechsel von grün-weiß zu den Farben Neulengbachs, als ob sie nicht wüssten, zu welchem Verein sie eigentlich gehören.
Am Ende wird die Antwort auf all diese Fragen auf dem grünen Rasen stehen. Und vielleicht, ja vielleicht wird Andy Ogris dann endlich wieder ruhig schlafen können. Oder zumindest bis zur nächsten Runde.