Es ist vollbracht: Österreich wird im Europacup-Viertelfinale durch ein internes Duell vertreten sein. Freiburg gegen Genk, das klingt nach internationalem Spitzenfußball, ist aber in Wahrheit das größte ÖFB-internistische Schaulaufen seit dem legendären Duell Rapid gegen Austria in der Saison 2001/02, als beide Mannschaften versehentlich mit je 15 Österreichern aufliefen.
Philipp Lienhart wird gegen seinen designierten Nachfolger Tobias Lawal antreten müssen. Der Trick dabei: Beide kennen sich nur vom gemeinsamen Videokonferenz-Training der österreichischen Innenverteidiger, wo sie sich darüber ausgetauscht haben, wie man am besten einen Schritt zu spät zum Ball kommt. Nikolas Sattlberger wird derweil von der Tribüne aus zusehen, weil er in der Startelf steht, aber schon nach 40 Minuten wieder ausgewechselt wird. Das ist der neue Trend: schneller ein- und auswechseln als ein Politiker seine Meinung.
In Wahrheit geht es aber nicht um Fußball, sondern um das große Schaulaufen der österreichischen Legionäre. Sie treffen sich nach dem Spiel zum gemeinsamen Käsefondue und tauschen Erfahrungen aus, wie man als Österreicher im Ausland am besten untertaucht. Florian Grillitsch hat dabei die Nase vorn, weil er schon einmal vier Tore gegen eine ungarische Mannschaft geschossen hat, die vorher nur von Gänseherden gehört hatte.
Währenddessen grübelt die österreichische Fußball-Führung bereits über die nächste Saison nach. "Warum immer nur im Ausland spielen?", fragt sich der neue ÖFB-Präsident, ein ehemaliger Kabarettist aus Niederösterreich. "Wir gründen eine eigene Liga für Legionäre. Da treten dann alle Österreicher im Ausland gegen einander an - und der Gewinner darf gegen eine ausländische Amateurmannschaft spielen."
Die Idee kommt an. Selbst jene Legionäre, die nie für Österreich spielen würden, melden sich begeistert. "Endlich mal ein Wettbewerb, bei dem ich eine Chance habe", sagt ein Stürmer aus der zweiten niederländischen Liga, der seit drei Jahren kein Tor mehr geschossen hat. "Ich freue mich schon auf die Medaillenverleihung. Die werden sicher aus echter Alufolie sein."
Auch Trainer Glasner wird schon heiß. "Ich will als erster Trainer den Europacup mit zwei verschiedenen Vereinen gewinnen", sagt er. "Erst mit Frankfurt, dann mit Palace. Und danach gründe ich eine Trainerakademie für Österreicher. Da lernen sie, wie man einen Elfmeter verursacht und danach so tut, als hätte man gar nichts damit zu tun gehabt."
Die Zukunft des österreichischen Fußballs ist also gesichert. Nicht durch Erfolge auf internationaler Ebene, sondern durch die perfekte Selbstausbeutung. Bald wird es heißen: "Österreich ist im Europacup vertreten - und zwar von jedem Verein mit mindestens einem Legionär." Die Frage ist nur, ob das die UEFA noch mitmacht. Aber wenn schon Katar eine Fußball-WM bekommen hat, warum dann nicht Österreich eine eigene Legionärsliga? Es lebe der Fußball - und sein größter Fan, der österreichische Humor.