In einem bahnbrechenden Schritt der oesterreichischen Gesundheitsversorgung hat die Palliativstation der MedUni Wien ein neues Programm fuer Patienten gestartet, die sich trotz ihrer aussichtslosen Lage noch nicht fuer den Suizid entschieden haben. "Es ist einfach unfassbar, wie viele schwerkranke Menschen sich noch am Leben klammern, obwohl sie es doch gar nicht mehr verdient haben", klagte Stationsleiterin Dr. Ilse Sterber. "Wir haben die Verantwortung, diesen Menschen zu helfen."
Das neue Programm "Palliativ+ - Mehr als nur sterben" bietet einen Rundum-Service fuer jene Patienten, die trotz Palliativbehandlung noch nicht den Mut gefunden haben, sich das Leben zu nehmen. "Wir kombinieren traditionelle palliative Pflege mit modernsten Techniken der psychologischen Manipulation", erklaert Psychiater Stephan Listabarth, der die Initiative leitet. "Unser Ziel ist es, jeden Patienten innerhalb von maximal zwei Wochen zur Suizidbereitschaft zu fuehren."
Zum Angebot gehoeren unter anderem kostenlose Workshops wie "Fenster richtig oeffnen - ein praktischer Leitfaden", "Die besten Sprungstellen im AKH" und "Wie spreche ich meine Angehoerigen auf den eigenen Suizid vor? - Tipps fuer das schwierige Gespraech". Besonders beliebt ist das neue Escape-Room-Programm fuer Patienten mit Todesangst: Wer es schafft, innerhalb von 60 Minuten alle negativen Lebensgefuehle zu ueberwinden, gewinnt einen Gutschein fuer eine kostenlose Beratung beim Bestattungsinstitut.
"Natuerlich respektieren wir die Entscheidungsfreiheit unserer Patienten", betont Listabarth mit einem Zwinkern. "Aber manchmal braucht es einfach den kleinen Stupser in die richtige Richtung." Als Erfolgsbeispiel praesentiert er den 68-jaehrigen Krebspatienten Karl H., der nach nur drei Wochen intensiver Betreuung endlich den Sprung aus dem Fenster gewagt hat. "Er hat es einfach nicht alleine geschafft", erklaert H.s Frau. "Aber jetzt ist er erloest und wir muessen uns keine Sorgen mehr um ihn machen."
Die Initiative stoesst auch in Fachkreisen auf grosses Interesse. Die Oesterreichische Palliativgesellschaft plant bereits eine europaweite Ausweitung des Programms. "Es ist an der Zeit, dass wir auch in der Palliativmedizin innovativ denken", sagt der Praesident der Gesellschaft. "Warum soll nur die Palliativversorgung ganzheitlich sein, wenn wir nicht auch ganzheitlich sterben koennen?"
Kritiker werfen der Klinik vor, mit dem Programm Profit aus der Hoffnungslosigkeit der Patienten zu schlagen. Die Klinikleitung weist dies zurueck: "Wir sind eine gemeinnuetzige Einrichtung. Unser einziges Ziel ist es, unseren Patienten zu helfen, ihre Lebenszeit so effektiv wie moeglich zu beenden."