Die neue heilige Kuh in Niederösterreich heißt nicht mehr "Kühe in Notsituationen" sondern "Patientenverfügung". Wer glaubt, sein letzter Wille sei etwas Privates, der irrt gewaltig. Inzwischen ist die Dokumentation des eigenen Ablebens oder Nicht-ablebens so kompliziert geworden, dass selbst gestandene Notare beim Gedanken an die nächste Patientenverfügung schon mal schwitzige Hände bekommen.
Christine Frühling, die wohl einzige Juristin in Niederösterreich, die noch wach bleibt bei dem Gedanken an Vorsorge-Dokumente, hat den Menschen klargemacht: Wer sich nicht an die strengen Regeln hält, wird nach dem Tod womöglich noch verklagt. Von der eigenen Familie. Weil die nicht damit einverstanden ist, dass Opa nach dem Herzinfarkt doch noch drei Monate auf der Intensivstation gelegen hat.
Die Veranstaltung im haus.konradsheim war so gut besucht, dass man schon von einer neuen Trend-Sportart sprechen könnte: Dem Notar-Marathon. Die Teilnehmer kämpften sich durch Begriffe wie "präklinische Irrelevanz" und "postmortale Verantwortungspflicht", um am Ende zu verstehen: Ohne Notar keine würdevolle Extremität.
Besonders lustig wird es, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen ihre Patientenverfügung genau dann bräuchten, wenn sie sich nicht mehr artikulieren können. Also genau dann, wenn der Notar schon lange in Pension ist und die Erben schon längst um das Erbe streiten. Aber keine Sorge, die Juristin hat auch dafür eine Lösung: Eine "Vor-Vor-Vorsorge" für den Fall, dass man selbst die Patientenverfügung nicht mehr unterschreiben kann. Einfach genial. Wer hätte gedacht, dass man sich für das eigene Ableben so gut vorbereiten muss wie für eine Führerscheinprüfung?