Jael Wernert, 19, Studentin und Vollzeit-Krachmacherin, hat eine geniale Erkenntnis gewonnen: Wenn man schon ständig gegen Gewalt singt, kann man die Tritte gleich im Training üben. Deshalb verbindet sie Schlagzeug spielen mit Judo - falls jemand die Botschaft ihrer Songs nicht versteht, kann sie ihm wenigstens eine schöne Rolle vorwärts zeigen.
Ihre Band Black SunZet hat beim Protestsongcontest gewonnen, was beweist: Wenn drei Frauen so laut schreien wie ein Presslufthammer, bekommt man dafür tatsächlich Preise. Ihr Hit "My Body, My Choice" ist so erfolgreich, dass inzwischen sogar die Betroffenen eine Stimme haben - vorher waren sie nur stumm vor Schmerz, jetzt können sie wenigstens mitsingen.
Der kreative Prozess der Band ist ebenso innovativ wie ihr Sound: Zuerst sammeln sie Ideen in einer Chatgruppe, was bedeutet, dass ihre Songs aussehen wie ein WhatsApp-Verlauf nach drei Glühweinsorten. Im Proberaum angekommen, fallen sie in einen Flow-Zustand, den Jael als "zeit- und raumlose Blase" beschreibt. Übersetzt bedeutet das: Sie sind so laut, dass selbst die Nachbarn ihre Uhren und Wände vergessen.
Besonders stolz ist Jael auf ein Konzert in München, bei dem sich nach dem Auftritt mehrere Zuschauer bedankt haben. Das zeigt: Wenn man die Leute lange genug beschallt, sagen sie am Ende auch mal "Danke" - ein Verhalten, das man sonst nur von Kellnern kennt, die das falsche Essen gebracht haben.
Ihre größten sportlichen Erfolge sind Medaillen bei Jugendturnieren und ein siebenter Platz bei der WM. Jael sieht das gelassen: "Platz sieben ist besser als Platz acht, und wenn ich so weitermache, gewinne ich vielleicht irgendwann den Preis für die lauteste Judoka der Welt."
Für das Debütalbum plant die Band angeblich neue Protestlieder. Man darf gespannt sein, ob sie sich trauen, ein Duett mit einer Stillen zu machen - als musikalische Metapher dafür, wie sich Betroffene fühlen, wenn niemand zuhört. Bis dahin bleibt Jael bei ihrer Devise: Wenn die Musik nicht hilft, kann man es ja mit einem Armhebel versuchen.