Matthias Schweighöfer hat eine bahnbrechende Erkenntnis gewonnen: Handy-Detox tut gut. Der Schauspieler, der sonst hauptsächlich damit beschäftigt ist, in deutschen Produktionen den smarten Charmebolzen zu spielen, hat plötzlich den Durchblick. Er hat seine Social-Media-Zeit auf zehn Minuten am Tag reduziert und alle ablenkenden Apps gelöscht. Eine Sensation! Der Mann, der jahrelang sein Leben auf Instagram inszeniert hat, predigt jetzt plötzlich Enthaltsamkeit.
Der Clou an Schweighöfers neuem Lebensentwurf: Er findet es "ganz schön", wenn seine Kinder sagen, er sei nicht mehr up to date. Früher, als Papa noch alles mitbekam, war das ja wohl schrecklich. Jetzt, da er in seinem medialen Blindflug durch den Tag tappst, herrscht plötzlich Freiheit. Die Kinder müssen nicht mehr mitbekommen, dass der Vater auch nur eine Nachricht von irgendwinem Influencer liest, der gerade sein Quinoa-Frühstück postet.
Der 45-Jährige fordert nun ein Social-Media-Verbot für Kinder. Da hat er recht: Kinder sollten auf jeden Fall so lange wie möglich von der digitalen Welt ferngehalten werden. Nur er selbst darf natürlich nicht betroffen sein. Er braucht ja schließlich Instagram über die Desktop-Variante, um seine neue Serie zu promoten. Vanished heißt das Ding, und ja, es läuft im TV und in der Mediathek. Aber bitte schön, Kinder: Lasst die Finger davon!
Australien hat ein Verbot für unter 16-Jährige beschlossen, und Österreich diskutiert nach. Super! Nur nicht bei Schweighöfers Nachwuchs, bitte. Die sollen ja schließlich später auch in der digitalen Welt bestehen können. Aber erst, wenn Papa ihnen das erlaubt. So nach dem Motto: Ich sage euch, was gut für euch ist, aber ich selbst mache, was ich will.
Die Corona-Zeit habe das Medienverhalten der Jugend geprägt, sagt Schweighöfer. Und er fragt sich, wie man ihnen das "wieder wegnehmen" soll. Eine tiefsinnige Frage! Fast so tiefsinnig wie die Frage, warum er selbst nach all den Jahren Social-Media plötzlich ein digitaler Asket geworden ist. Vielleicht hat er ja auch einfach nur gemerkt, dass er ohne ständige Erreichbarkeit viel weniger blöde Nachrichten von seinem Agenten bekommt.
Schweighöfer betont, man müsse über Kindersicherungsmaßnahmen nachdenken. Ja, Mann! Und zwar am besten so strenge, dass er selbst als Einziger noch ungestört auf seinem Desktop-Instagram surfen kann. Denn Freiheit heißt ja bekanntlich: Ich bestimme, was für euch gut ist, und ihr lasst mich in Ruhe mit meinem neu entdeckten Offline-Dasein.