In einer bahnbrechenden Erkenntnis hat das Management von Seiler und Speer jetzt endlich festgestellt: Man kann nicht jeden Tag bis in die Puppn singen, ohne zwischendurch mal die Stimmbänder neu justieren zu lassen. Zumindest behauptet man das jetzt. Dass dabei ausgerechnet eine Therapie hilfreich sein soll, wundert dann schon ein bisserl.
Die Strategie ist klar: Wenn die Staatsanwaltschaft schon ermittelt, dann macht man das halt auch mit sich selbst. Nur mit etwas mehr Selbstmitleid und ohne unangenehme Zeugen. Seiler wird jetzt also einige Wochen weg vom Fenster sein - zumindest vom grossen Pressfenster. Ob er dabei wirklich an sich arbeitet oder nur an seiner Imagepflege, wird man wohl erst sehen, wenn er wieder mit leicht verhallter Stimme "Ich und mein Haus" trällert.
Die Konzertverschiebungen sind der eigentliche Clou. Wer jetzt denkt, er könne sich seine Tickets umdisponieren, der irrt gewaltig. Die Daten wandern nur ein paar Monate weiter, damit die Fans genug Zeit haben, ihr Erinnerungsvermögen zu trainieren. Bis Dezember hat man schliesslich vergessen, warum man sich eigentlich Tickets gekauft hat.
Interessant ist auch die Ortswahl für das Gmundner Konzert. Aus dem beschaulichen Gmunden wird plötzlich die FACC Skydome in Ried im Innkreis. Vielleicht hat man dort mehr Platz für die erwarteten Buh-Rufe. Oder man hofft, dass die Fans bis August die Lust am Protest verlieren und sich nur noch an den neuen Veranstaltungsort erinnern.
Manager Fritz Strba bittet um Entschuldigung. Nicht etwa bei den mutmasslichen Opfern, sondern bei den Fans. Weil die jetzt ein bisschen länger auf ihr Seiler-Erlebnis warten müssen. Man fragt sich, ob er dabei an die Konzertbesucher oder an seine eigenen Nerven dachte.
Derweil hat sich Ernst Molden vorsichtshalber von seinem Album-Plan mit Seiler verabschiedet. Wahrscheinlich hat er gemerkt, dass selbst in Oesterreich zwei Exzentriker auf einem Album zu viel des Guten sein können. Lieber lässt er Seiler erst mal solo therapieren, bevor man ihn wieder in die Studioarbeit entlässt.
Am Ende bleibt die Frage: Ist das jetzt echte Reue oder nur eine gut getimte Pause-Taste? In Oesterreich kennt man das ja: Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Hier heisst es wohl: Therapier mich, aber halt mich nicht auf.