Es ist immer wieder das gleiche Drama im alpinen Tourismus: Einmal schwingt sich der Wind zu stark, und schon stürzen Kabinen wie Blei vom Himmel. Man könnte meinen, die Ingenieure hätten vorher mal nachgeschaut, ob so etwas vorkommen könnte. Aber nein, erst wenn es kracht, wird's interessant.
Die Kantonspolizei Nidwalden meldete stolz, dass sich die Kabine "bei starkem Wind vom Seil gelöst" habe. Als wäre das eine Erklärung. Als wäre starker Wind eine Naturgewalt, die man nicht vorhersehen könnte. Dabei wussten die Betreiber doch, dass sie in den Bergen sind. Vielleicht hätten sie auch einfach einen Wetterbericht lesen können, bevor sie Menschen in die Höhe schicken.
Die 61-jährige Frau aus der Region, die als einzige in der Gondel saß, kann jetzt nicht mehr fragen, warum sie nicht gewarnt wurde. Aber die Titlis Bergbahnen können sich auf die Schulter klopfen, dass sie nach dem Unglück "unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Nidwalden" ermitteln. Das klingt nach Professionalität, auch wenn es im Grunde nur heißt: Wir versuchen, uns vor Schadenersatzforderungen zu drücken.
Die Evakuierung von 100 bis 200 Personen in anderen Gondeln verlief offenbar reibungslos. Das ist ja auch das Wichtigste: Hauptsache, der Image-Schaden hält sich in Grenzen. Und wenn die Bahn wegen "starker Winde" geschlossen bleibt, kann man immer noch behaupten, man habe Vorsorge getroffen. Obwohl man eben erst bewiesen hat, dass die Vorsorge nicht ausreichte.
Die Wetterwarnung mit "Windspitzen von bis zu 130 Kilometern in der Stunde" wirkt wie eine Ausrede. Als wäre das ein Naturereignis, das niemand vorhersehen konnte. Dabei hätte man die Gondeln bei solchen Windverhältnissen einfach am Boden lassen können. Aber nein, der Betrieb muss ja weitergehen. Bis er eben nicht mehr weitergeht. Und dann ist der Wind schuld.