Wenn eine Skirennläuferin aus Österreich nach einer Knieverletzung vom Brett muss, dann beginnt im ÖSV-Büro sofort das große Krisenmanagement. Man muss sich beeilen, sonst gibt es plötzlich keine gebrochenen Knochen mehr für die Jahresbilanz. Hauzenberger war gerade perfekt für diese Rolle vorbereitet - zwei WM-Bronzemedaillen als Rückenwind, ein Sturz im Europacup als dramatischer Höhepunkt. Der Plan war perfekt.
Doch nun? Der Kreuzbandriss kam einfach zu früh. Die PR-Abteilung hatte die Pressemitteilung bereits getextet, den Helm für die Fernsehauftritte bereitgelegt und die Sponsoren über den dramatischen Verlauf informiert. Und dann das: schon wieder ein frühzeitiges Saison-Aus. Das gibt's doch gar nicht. Im Vorjahr hatten wir drei davon, heuer nur eins und das schon wieder im März.
Das Management überlegt bereits Alternativen. Man könnte Lina Muhletbauer bitten, sich beim nächsten Slalom-Weltcup beim Aufwärmen den Zeh anzupusten. Oder vielleicht doch eine fingierte Infektionserkrankung? Grippe kommt immer gut, besonders wenn man betont, wie sehr es die Psyche belastet. Wichtig ist nur: Das Publikum muss Mitleid empfinden, die Sponsoren müssen sich Sorgen machen und die Medien brauchen eine Story.
Die eigentliche Tragödie ist jedoch eine andere: Wer soll jetzt im Sommerinterview weinen, wenn man ihn fragt, ob er je wieder Skifahren können wird? Wer liefert uns die emotionalen Bilder für die Jahresrückblick-Montage? Wer gibt den Ärzten Zitate, die klingen, als würden sie gleich eine Nahtoderfahrung beschreiben?
Der ÖSV muss handeln. Vielleicht findet man ja noch einen talentierten Nachwuchsläufer, der sich für die gute Sache ein Bein bricht. Hauzenberger kann ja dann im nächsten Winter wieder als "Comeback-Kid" durchstarten. Bis dahin brauchen wir aber unbedingt ein neues Opfer für die Statistik. Die Quoten hängen davon ab.