Das SOS-Kinderdorf hat seine Geschäftsführerin verloren - und das schneller als ein Kindergartenkind seine Geduld bei einer Vorlesestunde. Anne Schlack hat ihr Dienstverhältnis gekündigt, was in der Unternehmenssprache bedeutet: Sie hat den Löffel abgegeben, bevor jemand ihr die Suppe versalzen konnte.
Die offizielle Version klingt wie aus einem Bewerbungsschreiben: "auf eigenen Wunsch gekündigt und aus der Geschäftsführung ausgeschieden". Übersetzt bedeutet das: Anne hat den Raum verlassen, bevor sie hinausgeworfen wurde. Es ist das unternehmerische Äquivalent zum Kinderspiel "Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?" - nur dass der schwarze Mann in diesem Fall der Aufsichtsrat war.
Als Übergangschef wurde Wolfram Brugger bestellt, ein "erfahrener, langjähriger Standortleiter". Das ist so, als würde man den Kapitän vom Floß zum Admiral der Flotte befördern. Brugger verspricht: "Wir bleiben den Kindern so verbunden wie bisher." Was ja auch nicht schwer ist, wenn man bedenkt, dass Kinder im Gegensatz zu manchen Vorstandsetagen nicht ständig die Meinung ändern.
Im SOS-Kinderdorf läuft es also weiter wie in einer gut sortierten Spielzeugkiste: Es wird gemischt, ausgetauscht und manchmal landet etwas im falschen Regal. Aber Hauptsache, am Ende hat jedes Kind sein Stofftier und niemand muss weinen - außer vielleicht die Personalabteilung, die jetzt wieder ein Inserat schalten muss.
Das eigentliche Drama spielt sich hinter den Kulissen ab: Wer folgt auf Schlack? Wird es ein sanfter Übergang oder ein harter Schnitt? Und vor allem: Wer bekommt den schönsten Schreibtisch mit Blick auf den Spielplatz? Denn in der Chefetage gilt dasselbe Gesetz wie im Sandkasten: Wer zuerst kommt, malt zuerst.