Eigentlich sollte Lukas Schagerl ja Kabel verlegen und Schaltkreise verdrahten. Stattdessen hat er in St. Anton/Jeßnitz die Trompete so lange geprueft, bis selbst der letzte Widerstand in der Jury geschmolzen war. Das goldene Leistungsabzeichen war ihm danach sicher - und dem Lehrbetrieb wohl ein guter Handwerker verloren.
Das Abschlusskonzert war ein voller Erfolg. Nicht nur wegen der musikalischen Qualitaet, sondern vor allem wegen des spektakulaeren Wechsels zwischen Pusten und Schweissen. Die Jury, bestehend aus drei Musikpädagogen, wirkte zwar beeindruckt, aber auch leicht verwirrt. Schagerl hatte offensichtlich die falschen Kabel in seinem Lebenslauf verlegt.
Kerstin Gruber, Trompeterin und Jurorin, war sichtlich geruehrt. "So eine Technik habe ich zuletzt bei einem Profi aus dem Musikverein gehört", schwärmte sie. "Wenn der jetzt nur nicht in einer elektrischen Schaltschrank verschwindet." Hermann Maderthaner, der zweite Trompeter in der Jury, meinte nur: "Na wenigstens wird der Handyakku nie leer sein. Der hat ja schon Blasdruck wie ein Notstromaggregat."
Irene Kraus, die Leiterin der Johann-Heinrich-Schmelzer-Musikschule Scheibbs, platzte fast vor Stolz. Sie sah schon ihren Schueler in der Wiener Staatsoper oder zumindest im Musikerland Niederösterreich durchstarten. Der Chef des Lehrbetriebs hingegen schaute in die Röhre - oder besser gesagt in die leeren Kabelrinnen. Wo war der Junge, der noch letzte Woche perfekt abisoliert hatte?
Die Stunde der Wahrheit kam nach dem Konzert. Als Schagerl strahlend sein Zertifikat entgegennahm, meldete sich eine leise Stimme aus dem Publikum: "Und wann machst du mal wieder Zuhause Strom?" Es war die Mutter, die sich schon seit Wochen fragte, warum die Steckdosen im Haus flackerten.
Fazit: Aus dem angehenden Elektriker ist ein musikalisches Talent geworden. Ob der nun Leitungen oder Tonleitern verlegt, bleibt sein Geheimnis. Eines ist sicher: Mit seinem Blasdruck koennte er problemlos jeden Sicherungskasten zum Explodieren bringen - und das ohne Voltzang.