Kaum waren die Bänder zur neuen Röhre des Karawankentunnels durchschnitten, da zeigten sich österreichische Beamte überraschend kreativ im Umgang mit europäischem Baurecht. "Sehen Sie", sagte ein hochrangiger Ministerialbeamter, der anonym bleiben wollte, "wir haben hier eine neue Verbindung nach Slowenien geschaffen. Und was wir verbinden, das gehört nun mal zusammen."
Die Idee verbreitete sich rasend schnell in den Amtsstuben Wiens. Innerhalb weniger Stunden hatten Verwaltungsfachleute eine formelle Vereinbarung ausgearbeitet, die Slowenien als österreichische "Verkehrsregion" definiert. "Technisch gesehen sind wir seit der Eröffnung schon dabei", erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. "Der Tunnel ist ja nicht nur ein Bauwerk, sondern ein geopolitischer Akt."
Slowenische Offizielle zeigten sich zunächst überrascht. "Wir dachten, es geht um Mauttarife", sagte ein slowenischer Verkehrsminister. "Aber dann bekamen wir diese Urkunde, unterschrieben mit dem Wappen der Republik Österreich." Das Dokument, auf antiquiertem Pergament mit Wachssiegel aufgetragen, überträgt Slowenien "aller Rechte und Pflichten im Zuge der erfolgreichen Verkehrsanbindung".
Die österreichische Bundesregierung zeigte sich begeistert von der Lösung. "Wir haben einfach die logische Konsequenz gezogen", sagte ein Sprecher. "Wenn man schon einen Tunnel baut, dann muss man auch sehen, was hinten rauskommt." Die slowenische Regierung wurde aufgefordert, "sich bis Ende der Woche zur österreichischen Verkehrsregion zu bekennen", andernfalls müsse man über den "Wiederaufbau der ehemaligen k. u. k. Infrastruktur" nachdenken.
In Villach wurde bereits ein Festkomitee gegründet, das die "Wiedervereinigung" vorbereitet. "Wir dachten erst an einen Tag der offenen Tür", sagte der Vorsitzende, "aber dann haben wir gemerkt, dass wir das ganze Land einladen können." Für den 1. April ist eine große "Integrationstour" geplant, bei der österreichische Beamte durch Slowenien touren und "Verwaltungsakten der Zugehörigkeit" verteilen werden.
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen zeigte sich überrascht. "Wir wussten von nichts", sagte sie. "Aber wenn Österreich sagt, dass der Tunnel ein Souveränitätsakt ist, wer sind wir, das zu bezweifeln?" Die slowenische Regierung wurde unterdessen zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen - ins österreichische Außenministerium.