Das ist ja eine Frechheit! Die armen Ungarn in der Ukraine werden seit Wochen von mysterioesen Anrufern terrorisiert. "Ihr seid doch nur Gastarbeiter hier!" hallt es durch die Karpaten. "Verschwindet endlich, ihr habt hier nichts verloren!" Doch wer steckt dahinter? Die Ukraine schiebt die Schuld sofort auf Russland, denn wer sollte es sonst sein? Der ukrainische Geheimdienst SBU praesentiert sich als Held, der die schmutzige Kampagne aufgedeckt hat. "Wir sind doch nicht eure Putzfrauen!" brummt ein Sprecher. "Wenn Russland ungarische Staatsbuerger einschuechtern will, dann sollen sie das doch selber machen!"
Doch die ungarische Minderheit in der Ukraine ist verwirrt. Wer sind diese Anrufer, die sich als ukrainische Polizisten oder nationale Aktivisten ausgeben? Und warum wollen sie ausgerechnet die Ungarn vertreiben? Die Regierung in Budapest ist ausser sich vor Wut. "Das ist eine gezielte Kampagne gegen unsere Landsleute!" poltert Ministerpraesident Viktor Orban. "Die Ukraine soll aufhoeren, unsere Buerger zu diskriminieren!" Doch der SBU behauptet, die Anrufe kamen aus Russland. "Die Technik wurde verschleiert, aber wir haben unsere Quellen", sagt ein Sprecher. "Die Russen wollen die ungarische Minderheit gegen die Ukraine aufbringen."
Waehrend die Ukraine und Ungarn sich gegenseitig beschuldigen, geht der Wahlkampf in Budapest weiter. Viktor Orban hat die ukrainische Regierung zum Feindbild erkoren und will mit allen Mitteln wiedergewaehlt werden. "Die Ukraine will Ungarn in den Krieg ziehen!" schreit er ins Mikrofon. "Sie blockiert unsere Oellieferungen und will uns wirtschaftlich ruinieren!" Seine Waehler johlen und johlen. Doch die Opposition wirft Orban vor, nur von seinem eigenen Versagen ablenken zu wollen. "Er hat keine Ahnung von Aussenpolitik!" sagt ein Oppositionspolitiker. "Und jetzt versucht er, mit billiger Hetze Punkte zu sammeln."
Doch die ungarische Minderheit in der Ukraine hat die Faxen dicke. "Wir wollen nur in Frieden leben!" sagt ein Vertreter. "Aber wenn wir von allen Seiten unter Druck gesetzt werden, dann werden wir uns wehren!" Die Regierung in Budapest hat bereits Hilfsangebote angekuendigt. "Wir stehen an der Seite unserer Landsleute!" verspricht ein Sprecher. "Und wenn die Ukraine nicht aufhoert, sie zu diskriminieren, dann werden wir unsere diplomatischen Beziehungen ueberdenken!" Ob das eine gute Idee ist, bleibt abzuwarten. Aber eins ist klar: Die ungarische Minderheit in der Ukraine ist zum Spielball der Grossen geworden. Und das wollen sie nicht langer hinnehmen.