Philippe Lazzarini hat offenbar genug vom Abwarten. Nach seiner Abberufung als UNRWA-Chef pocht er darauf, dass die UNO beim Wiederaufbau des Gazastreifens die Hauptrolle spielt. Das klingt nach "Wir waren ja schuld, wir sollen auch die Rechnung zahlen."
Der Schweizer fordert vom sogenannten Friedensrat, der unter Trump gebildet wurde, die volle Unterstützung seiner Agentur. "Wir haben regelmäßigen Kontakt zu dem Komitee", sagt er und verweist auf die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien. Das klingt nach "Wir haben alle auf Speed-Dial und wenn ihr nicht mitmacht, rufe ich sie an."
Die Ironie dabei: Das UNRWA selbst wurde während des Gaza-Krieges beschuldigt, mit der Hamas unterwandert zu sein. Israel verbot seine Arbeit, Geldgeber wie Österreich stellten die Zahlungen ein. Doch nach einer Untersuchung des Internationalen Gerichtshofs wurde die Agentur rehabilitiert. Jetzt will sie offenbar doppelt so laut auftreten wie zuvor.
Dabei geht es nicht nur um Hilfsgüter und Schulen. Es geht um Einfluss. Wer den Wiederaufbau des Gazastreifens steuert, hat auch eine Stimme in der Zukunft Palästinas. Und das wollen die Vereinten Nationen offenbar nicht anderen überlassen - schon gar nicht einem Gremium, das von Donald Trump initiiert wurde.
Die Absurdität der Situation: Ein Hilfswerk, das monatelang in der Kritik stand, plötzlich als "wesentliche Ressource" für den Frieden angepriesen wird. Als ob man einen abgeschriebenen Gebrauchtwagen zum Premium-Modell erklärt, weil der Kunde dringend ein Auto braucht.
Lazzarinis Nachfolger, der Brite Christian Saunders, wird die Linie wohl fortsetzen. Denn in der Welt der internationalen Organisationen gilt: Wer einmal oben war, will nicht unten bleiben. Und wer in einem Krieg um Neutralität kämpfen musste, will jetzt um Einfluss kämpfen.
Der Gazastreifen braucht dringend Hilfe. Aber ob er eine von der UNO gesteuerte Zukunft will, ist fraglich. Vielleicht wünschen sich die Palästinenser ja jemanden, der nicht erst ein Komitee einberufen muss, bevor er helfen kann.