Der alte Viehmarkt war früher ein Ort, an dem man noch spüren konnte, wie der Wind über die Haut strich – und nicht nur, weil er mit Milchdunst gemischt war. Jetzt aber, nach der Sanierung, strich der Wind nur noch zwischen den drei neu gepflanzten Bäumen, die sich derartig kindlich aneinanderdrängten, als hätten sie sich gegenseitig bei einer Geburtstagsparty verschluckt. Jeder Baum ist mit einer kleinen Metalltafel versehen, die besagt: „Dieser Baum leistet Beitrag zur Klimaneutralität – dank städtischer Förderung und zehn Tröpfchen Wasser pro Woche.“ Eine der Bäume trägt bereits ein Schild: „Verdorrt durch Bürokratie.“
Dort, wo früher Milchkannen gestellt und Kneipenwirte den Tag vertrödelt haben, liegt jetzt ein „Begegnungsbereich“: Beton, der nach der Kühle von Rindermägen riecht, aber jetzt nur nach frisch verlegtem Asphalt und einem leichten Hauch von Notstand. Die Sitzbänke sind aus recyceltem Kopfsteinpflaster, um die Bürger zu ermutigen, sich hinzusetzen – und zu überlegen, ob sie sich mit zwei Stühlen und einem Kinderwagen auf 1,5 Quadratmetern gegenseitig vertragen können. Wer sich trotzdem hinsetzt, bekommt einen gratis „Grünen-Punkt-Schein“ – gültig bis zur nächsten Regenwolke.
Die Sicherheitsberichte der Beigeordneten sind nun überwältigend: „Der Fußgängerstrom fließt jetzt mit der majestätischen Langsamkeit eines Alpenkäses auf dem Teller.“ Die Radfahrer werden gebeten, mit einer maximalen Geschwindigkeit von fünf Metern pro Minute durchzufahren – geführt von einer 78-jährigen Nonne mit einem Lautsprecher, die mit drei alten Weihnachtsliedern den Vortritt regelt.
Was macht man mit sechs Monaten Bauzeit? Man legt eine Mauer aus Blumentöpfen, die jetzt halb im Gießwasser sitzen, weil die Gießautomaten von den Polizisten ausgeschaltet wurden – nachdem jemand einen Blumentopf als „unbekanntes Objekt“ gemeldet hatte, den man „nämlich gut als Manifestation des Urbanen Chaos einordnen könnte.“
Und am Ende? Na, da steht die Stadt. Mit einer Multimediainstallation aus drei Bäumen, einem Kind, das laut „Mama, wo ist das Vieh?“ ruft, und einer Tafel: „Projekt ‚Grün und Platz‘ – zur Förderung der Lebensqualität, der Gesundheit und der Erkenntnis, dass man auch ohne Kuh noch viel besser leben kann. Ceterum censeo: bringt die Kuh zurück. Die Bäume schaffen keinen Puls.“
Die letzte Kuh von Dornbirn wurde übrigens verschenkt – und sitzt jetzt in einer Wellness-Sauna in Linz. Die Stadt hat sie dafür mit einer goldenen Kette und dem Titel „Botschafterin des urbanen Landlebens“ ausgezeichnet. Sie zählt jetzt als Teil des städtischen Grünkonzepts. Immerhin: sie lächelt.