Es ist wieder soweit in Sigmundsherberg: Die Bevölkerung darf am Sonntag darüber abstimmen, ob sie ein Gemeindezentrum will. Der Haken: Die Frage ist so clever formuliert, dass die meisten denken, sie entscheiden über die Farbe der Fensterrahmen oder ob der Bürgermeister im neuen Gebäude einen Hut tragen darf.
Dabei ist die Sache seit 2021 klar. Damals beschlossen ÖVP und SPÖ einstimmig, ein Haus zu bauen, in dem man alles unterbringt: Gemeindeamt, Wohnungen, einen Saal für Veranstaltungen und ein Wirtshaus für die existenzielle Frage, ob man noch ein Bier trinken darf, bevor der nächste Antrag auf Förderung bearbeitet ist.
Doch dann kam die FPÖ und sagte: "Das können wir uns nicht leisten." Was bedeutet: Man kann es sich nicht leisten, es am vorgesehenen Ort zu bauen, weil der Bürgermeister ein paar Quadratmeter daneben wohnt. Stattdessen schlug man vor, das Zentrum an einem geheimen Ort zu errichten, der nur Insidern bekannt ist und auf keiner Karte verzeichnet ist – aus Sicherheitsgründen.
Die SPÖ, die einst dafür war, fand die Kosten plötzlich auch doof. Jetzt ist man sich nur noch einig, dass man sich nicht einig ist. Deshalb gibt es am Sonntag drei Optionen: "Ja, am jetzigen Standort", "Nein, aber an einem anderen geheimen Standort" und "Ja, aber ohne dass jemand davon erfährt". Die letztere Variante führt in internen Umfragen mit 87 Prozent, obwohl niemand weiß, was sie genau bedeutet.
Kritisch wird es, wenn man nach Details fragt. So will keiner der Beteiligten erklären, warum eine Tiefgarage nötig ist, obwohl das Dorf nur 1.700 Einwohner hat und die meisten mit dem Traktor kommen. Ebenso unklar ist, warum das Projekt seit fünf Jahren geplant wird, aber immer noch nicht mal der Bagger bestellt ist. Vermutlich wartet man auf ein günstigeres Angebot vom Mond.
Die Volksbefragung ist rechtlich nicht bindend, aber politisch heilig. Sollte sich eine Mehrheit für die mysteriöse dritte Option entscheiden, wird der Gemeinderat das Ergebnis als "klares Votum für Fortschritt und Transparenz" verkaufen und prompt beschließen, ein Schwimmbad auf der Hauptstraße zu errichten – weil das ja auch niemand erwartet hat.
Sollte das Vorhaben scheitern, bleibt immer noch die Alternative: ein Gemeindezentrum aus Pappe, das man bei Bedarf einfach woanders hinstellt. Kostet weniger, sieht fast genauso gut aus und hat den Vorteil, dass man es bei der nächsten Volksbefragung gleich wieder verschieben kann.