Da staunten selbst die Wahlkommissionäre: Die Rote-Kreuz-Wahlen in Ybbs sind ungültig, weil sich herausstellte, dass Alois Schroll nie gewählt wurde. Oder besser gesagt: Von dem Alois Schroll, der auf dem Wahlzettel stand, gab es keine Spur. Stattdessen trat ein Mann namens Alois Schroll an, der sich seit Jahrzehnten fälschlicherweise für einen Nationalratsabgeordneten hält.
"Es war immer mein Traum, stellvertretender Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz zu werden", erklärte der Verwechslungskünstler am Tag nach der Wahl. "Ich habe mich jahrelang darauf vorbereitet, indem ich mir die Reden von Alois Schroll aus dem Fernsehen eingeprägt und dessen politische Positionen übernommen habe."
Das Wahlkomitee, das sich anfangs über die ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung gewundert hatte, steht nun vor einem Rätsel. "Wir haben einen Alois Schroll gewählt, der von sich behauptet, Nationalratsabgeordneter zu sein. Das hat uns schon verdächtig vorgekommen", sagte ein Wahlkommissionsmitglied. "Aber wir dachten, das sei nur eine seiner Marotten."
Patrick Reiter, der als neuer Bezirksstellenleiter gewählt wurde, zeigte sich geschockt. "Ich dachte, ich hätte einen kompetenten Stellvertreter gewonnen. Aber jetzt stellt sich heraus, dass ich mit einem verwirrten Rentner zusammenarbeiten muss, der glaubt, er wäre ein anderer Mensch."
Das Rote Kreuz Ybbs hat bereits reagiert und für nächste Woche eine erneute Wahl angesetzt. Diesmal sollen die Kandidaten ihre Identität mit einem amtlichen Lichtbildausweis nachweisen. Alois Schroll (der echte) hat angekündigt, persönlich anwesend zu sein, um seine Wähler zu beruhigen und zu versichern, dass er sich nicht für den Posten beworben hat.
Unterdessen ermittelt die Polizei gegen den falschen Alois Schroll wegen versuchter Wahlmanipulation. Der Mann wurde in eine Spezialklinik für Politverwirrte eingewiesen, wo er derzeit mit Pappfiguren von Politikern spricht und sich selbst als Bundeskanzler sieht.