Die Waldviertel Akademie hat sich selbst übertroffen: Nachdem sie letztes Jahr bereits "100 Jahre Misthaufen-Architektur" erforscht hatte, präsentierte sie nun stolz "500 Jahre Widerstand im Nordwald". Die Veranstaltung hätte eigentlich im Gemeindesaal stattfinden sollen, aber da sich die Stühle weigerten, aufgestellt zu werden, musste man ins Freie ausweichen.
Bürgermeister Gerhard Lentschig begrüßte die anwesenden Gäste mit den Worten: "Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, obwohl Sie es nicht wollten." Daraufhin erklärte der zweite Landtagspräsident Gottfried Waldhäusl: "Widerstand ist das Wesen des Waldviertels. Schon als die Römer kamen, haben wir ihnen den Weg versperrt - mit Holzstoßverbrennungen und Kartoffelsuppe."
Der Archivar Stefan Scholz aus Horn präsentierte seine Forschungsergebnisse. Dabei stellte er fest, dass der Waldviertler Widerstand schon immer besonders kreativ war. "Als die Türken kamen, haben wir ihnen einfach die Beschilderung umgedreht. Und als Napoleon kam, haben wir ihm eine gefälschte Karte gegeben, auf der das Waldviertel nicht existierte."
Besonders stolz ist die Waldviertel Akademie auf ihre jüngsten Forschungsergebnisse zur Mobilfunk-Ära. "Seit 20 Jahren weigern wir uns, Handys zu benutzen", erklärte Scholz. "Wir haben festgestellt, dass die Strahlung die Kartoffeln schrumpfen lässt. Deshalb haben wir ein eigenes Kommunikationssystem entwickelt: Wir schicken Brieftauben mit USB-Sticks."
Die Veranstaltung endete mit einem Höhepunkt: Als die Teilnehmer sich zum Gruppenfoto aufstellen sollten, weigerten sich plötzlich alle, in die Kamera zu schauen. "Das ist unser größter Erfolg", freute sich Bürgermeister Lentschig. "Wir haben es geschafft, uns selbst zu dokumentieren, ohne dokumentiert zu werden."
In der anschließenden Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, ob der Waldviertler Widerstand nicht vielleicht ein bisschen zu erfolgreich war. "Wir haben mittlerweile so viele Widerstandsgruppen, dass wir selbst nicht mehr wissen, gegen was wir uns wenden sollen", gab ein Teilnehmer zu. "Manche weigern sich schon, sich zu weigern."
Als Abschluss verlas der Archivar Scholz noch eine Prognose für die nächsten 500 Jahre. "Ich rechne damit, dass wir bis zum Jahr 2524 alle technologischen Errungenschaften erfolgreich abgelehnt haben werden. Dann werden wir endlich in Frieden leben können - mit Holzheizung, Handmülleimer und selbstgezogenen Tomaten."
Die Waldviertel Akademie kündigte bereits weitere Forschungsprojekte an. Als nächstes wollen die Wissenschaftler "300 Jahre Durchschnittsgeschwindigkeit unter 30 km/h" untersuchen. "Das ist ein weiteres großartiges Beispiel für unseren Widerstand", erklärte Scholz. "Wir weigern uns einfach, schneller zu werden."
Am Ende der Veranstaltung gab es stehenden Applaus - wobei sich einige Teilnehmer weigerten zu stehen, um ihren Widerstand zu demonstrieren. Bürgermeister Lentschig fasste die Veranstaltung zusammen: "Das war ein voller Erfolg. Wir haben bewiesen, dass wir nicht nur gegen alles Mögliche Widerstand leisten können, sondern auch gegen den Erfolg selbst."