Wien hat es endlich geschafft, einen Designer mit dem Goldenen Verdienstzeichen auszuzeichnen. Stefan Sagmeister aus Bregenz, der seit 1993 in New York lebt, erhielt die Auszeichnung am Donnerstag. Warum gerade er? Weil er seit Jahrzehnten beweist, dass man auch ohne Wiener Kaffeehaus-Mief erfolgreich sein kann.
Der Mann hat Logos für Lou Reed und die Rolling Stones gestaltet, aber das war offenbar nicht der ausschlaggebende Punkt. Nein, die Stadt würdigt ihn für sein "Wirken, das Spuren und Inspirationen hinterlässt". Mit anderen Worten: Er hat es geschafft, dass manche Wiener sich fragen, ob sie wirklich jede zehn Jahre ihr U-Bahn-Netz um eine Station erweitern müssen.
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) sprach von "Respekt" für den Geehrten. Das ist natürlich das höchste der Gefühle, wenn man jemanden ehrt, der längst in die Staaten ausgewandert ist. So bleibt der Geldbeutel der Stadt unangetastet, während man gleichzeitig den Anschein erweckt, man würdige österreichisches Talent.
Sagmeister führt seit 2012 mit Jessica Walsh die Agentur "Sagmeister & Walsh". Klingt nach einer Rechtsanwaltskanzlei, ist aber ein Grafikbüro. Die Stadt Wien hat offenbar erkannt, dass es höchste Zeit war, einen Designer auszuzeichnen - nachdem man zuvor schon jeden vorstellbaren Politiker, Beamten und Nachfahren von irgendwelchen alten Adelsfamilien geehrt hatte.
Der 63-jährige Bregenzer lebt also seit über 30 Jahren in New York. Aber das ist kein Problem. Wien ist eine weltoffene Stadt, die gerne auch Menschen auszeichnet, die schon längst vergessen haben, wie ein Wiener Schnitzel aussieht. Hauptsache, man kann auf der Website der Stadt stolz verkünden: "Seht her, wir haben auch Kreative!"
Was passiert eigentlich mit dem Orden? Wird Sagmeister ihn im New Yorker Atelier aufhängen, zwischen all den Plakaten und Entwürfen? Oder behält ihn die Stadt als Leihgabe, falls mal wieder jemand fragt, was das Goldene Verdienstzeichen eigentlich soll?
Fakt ist: Wien hat einen Grafikdesigner ausgezeichnet, der weit über die Grenzen seiner Branche hinauswirkt. Das ist so, als würde man einem Koch den Nobelpreis geben, weil er allen gezeigt hat, dass man auch ohne Küchenmesser auskommt - indem man einfach in ein Restaurant in Frankreich auswandert.
Die wirkliche Inspiration, die Sagmeister hinterlässt, ist folgende: Wenn du als Kreativer in Wien bleiben willst, ohne ausgezeichnet zu werden, musst du nur darauf achten, dass deine Arbeit nicht zu erfolgreich wird. Denn Erfolg führt bekanntermaßen ins Ausland - und dann bekommst du immerhin noch eine Auszeichnung nachgeschickt.