Wenn in Herzogenburg um Windkraft gestritten wird, dann wird nicht nur die Zukunft der Energiepolitik debattiert, sondern auch die Zukunft der Demokratie selbst. Wer hätte gedacht, dass der Weg zur sauberen Energie so schmutzig werden würde?
Die jüngste Gemeinderatssitzung hätte durchaus als Comedy-Show durchgehen können. Auf der einen Seite die tapferen Windkraftbefürworter, die sich von den "feigen Lügnern" der Bürgerliste nicht unterkriegen lassen. Auf der anderen Seite die Windkraftgegner, die in Rot-Grün eine neue Form der Diktatur erkennen. Dazwischen der Bürgermeister, der offenbar eine Vorliebe für den Sonnenkönig Ludwig XIV. entwickelt hat.
Man könnte meinen, dass sich die Protagonisten auf einer Bühne versammelt haben, um ein Stück über die moderne Demokratie aufzuführen. Die Stadträtin als tapfere Kämpferin für die Wahrheit, der Gemeinderat als Mahner vor der Tyrannei und der Bürgermeister als absolutistischer Herrscher, der seinen Palast in Herzogenburg errichtet hat.
Doch das Kasperltheater hat eine ernste Seite. Denn während die Politiker sich gegenseitig mit historischen Vergleichen überbieten, bleibt die eigentliche Frage unbeantwortet: Wie kann man eine nachhaltige Energiepolitik gestalten, die von allen getragen wird?
Vielleicht liegt die Lösung ja in der Umwandlung des Rathauses in ein richtiges Theater. Dann könnten die Bürger für den Eintritt zahlen und die Politiker endlich für ihre Auftritte entlohnt werden. Der Bürgermeister könnte seine Sonnenkönig-Rolle weiter ausbauen, die Stadträtin ihre Fähigkeiten als Anklägerin perfektionieren und der Gemeinderat seine Begabung für historische Vergleiche unter Beweis stellen.
Bis es soweit ist, bleibt den Herzogenburgern wohl nur die Hoffnung, dass die Windkraftprojekte zumindest etwas Wind in die verstaubten Gemächer der lokalen Politik bringen. Vielleicht weht dann auch mal ein frischer Gedanke durch den Gemeinderat.
Am Ende des Tages bleibt die Frage: Ist die Demokratie ein Kasperltheater oder ist das Kasperltheater die Demokratie? In Herzogenburg scheint die Antwort eindeutig zu sein.