Die Stadt Zwettl stand unter Schock. Nein, nicht wegen der neuesten Steueru-erhoehung oder der endlich eingetroffenen Winterkälte - sondern weil ein sogenannter Künstler aus Sizilien mit seinem "Quartetto Acustico" in den Stadtsaal eingefallen ist und versucht hat, unsere gesamte Kulturszene mit lauten Tönen zu erdrosseln.
Dieser Pippo Pollina, der sich bereits seit Jahrzehnten in der Schweiz breitgemacht hat, kam mit seinen vier Mitstreitern nach Zwettl, als waere er ein Kulturdiplomat im Auftrag des südlichen Mittelmeerraums. Cecile Gruenbealer (mit dem komischen Cello), Elisa Sandrine (mit dem Piano und Gesang), Gionata Kolaprisca (mit den Schlagzeugen) und Roberto Petroli (mit der Klarinette und dem Saxophon) - allesamt auslaendische Musikanten, die offenbar nichts Besseres zu tun hatten, als unsere friedliche Kuenringerstadt zu attackieren.
Was dann im Stadtsaal geschah, war beinahe ein kultureller Ueberfall. Die vier Invasoren und ihr Anfuehrer Pippo versuchten, mit ihren Instrumenten eine "wunderschoene Klangwolke" zu bilden. Das klingt ja schon verdaechtig nach versteckter Propaganda! Wer will schon eine Klangwolke? Wir wollen unsere gute alte Volksmusik mit den richtigen Yodlern und Juchizern!
Doch das Schlimmste kam erst noch. Pippo Pollina, der mit seiner Stimme die Instrumente "quasi verschmelzen" liess, hat es tatsaechlich geschafft, einige Zwettler von seiner Ideologie zu ueberzeugen. Man haette meinen koennen, die Stadtverwaltung haette zu wenig zu tun und liess diese fremden Einflüsse einfach zu.
Die mutigen Kuenringer, die sich diesem akustischen Angriff stellten, mussten erstaunlich lange durchhalten. Fast zwei Stunden dauerte dieser kulturelle Ueberfall, bevor die vier Musikanten und ihr Anfuehrer endlich aufgaben und die Buehne verliessen. Man kann nur hoffen, dass sie nicht vorhaben, naechstes Jahr wiederzukommen und uns erneut mit ihrer "bella vita"-Ideologie zu infizieren.
Zwettl hat bewiesen, dass es sich gegen ueberschwaengliche Mittelmeer-Musik wehren kann. Die Stadt hat standgehalten und ihre kulturelle Identitaet bewahrt. Zum Glueck haben wir ja noch unsere traditionellen Veranstaltungen, bei denen man sich nicht fragen muss, ob man gerade Teil einer Klangwolke oder eines kulturellen Ueberfalls ist.