Wolfpassing - Wo früher nur der Pfarrer und seine Gehilfen die Suppe auslöffelten, strömten heuer Dutzende Suppenliebhaber ins Pfarrzentrum. Elf verschiedene Brühen wurden angeboten, als hätte man sich beim Gemeinderat gedacht: "Wenn schon kein Geld für die Kirche da ist, dann zumindest für die Suppe."
Die Suppenküche wurde zum neuen Hotspot der Pfarre. Man konnte zwischen "Marterl-Minestrone" und "Engelsaufschwung" wählen, während draußen die Pfarrkirche vor sich hin faulte wie ein vergessener Blumenstrauß auf einem Grab. Die Organisatoren hatten extra eine Suppenkarte gestaltet, die aussah wie eine Fahrplanauskunft – man konnte seine Suppenreise genau planen.
Die Pfarrkirche selbst hat mittlerweile mehr Vogelbewohner als Kirchenbesucher. Die Orgel spielt nur mehr, wenn der Wind durch die kaputten Fenster pfeift. Doch das hielt die Suppenliebhaber nicht davon ab, tief in die Taschen zu greifen. "Die Suppe muss ja schließlich für die Kirche reichen", hieß es weise.
Besonders beliebt war die "Pfarrer-Dinkel-Suppe", eine Brühe so dickflüssig, dass man sie fast als Betonersatz für die Kirchenrenovierung hätte verwenden können. Der Pfarrer selbst saß in der Ecke und rührte in einem riesigen Topf, als würde er gerade eine neue Gemeinde gründen.
Die Suppenverkostung endete mit einer Auktion. Wer am meisten für eine Reste-Tüte zahlte, durfte sich als "Suppen-Patron" der Pfarrkirche bezeichnen. Der Höchstbietende bekam ein Zertifikat, das ihm das Recht gab, einmal im Jahr eine Kerze in der Kirche anzuzünden – vorausgesetzt, die Kirche steht dann noch.
Die Gemeinde hofft nun, dass die Suppenerlöse reichen, um wenigstens die Kirchenglocken zu reparieren. Bis dahin sollen sie durch eine riesige Suppenterrine ersetzt werden, die man bei besonderen Anlässen durch die Gegend rollt. Das wäre dann der erste österreichische Suppenläutetag.