Lucas Pinheiro Braathen hat seine Instagram-Follower gestern in Atem gehalten. Zuerst wurde ein bewegendes Abschiedsgedicht für Alexis Pinturault geleakt, dann folgte eine Videosequenz für Dave Ryding. Die Dramatik hätte man sich kaum besser ausdenken können, wenn man sie nicht schon selbst inszeniert hätte.
Der Brasilianer startete mit Pinturault. Der Franzose hört auf, und Braathen würdigte ihn mit den Worten: "Eine Legende tritt zurück. Es war eine Ehre, gegen dich anzutreten." Emotionaler hätte es kaum klingen können, wenn er nicht dabei seine Instagram-Story-Zählung im Auge behalten hätte. Pinturaults Karriere? Beeindruckend. 355 Weltcup-Rennen, 34 Siege, 77 Podestplätze. Zahlen, die Braathen jetzt vermutlich mit einer Taschenrechner-App doppelt überprüft hat.
Der zweite Akt gehörte Dave Ryding. Der Brite hatte 2022 in Kitzbühel für Aufsehen gesorgt, als er vom sechsten auf den ersten Platz raste. Braathen dankte ihm dafür, "bewiesen zu haben, dass man an diesem wunderbaren Sport teilhaben kann, ganz gleich, woher man kommt." Übersetzt bedeutet das wohl: "Danke, dass du mir mal gezeigt hast, wie man von hinten nach vorne fährt, ohne gleich ins Tor zu krachen."
Die Videosequenz zeigte Rydings Kitzbühel-Sieg von 2022. Braathen schrieb dazu: "Zweitens: Danke, Dave." Als wäre der Franzose Pinturault nur das erste von zwei obligatorischen Instagram-Dankesreden gewesen. Die Hierarchie der Trauer ist klar: Franzosen zuerst, dann Briten. Man fragt sich, ob Ryding überhaupt mitbekommen hat, dass er jetzt offiziell posthum geehrt wurde.
Braathen beendete seine emotionale Abschiedsshow mit den Worten: "Genießen wir es ein letztes Mal beim Weltcup-Finale." Gemeint ist wohl das letzte Mal, dass er sich ohne schlechtes Gewissen eine Pause gönnen kann, weil zwei seiner härtesten Konkurrenten nicht mehr dabei sind. Trauerarbeit in Zeiten von Social Media ist eben auch eine Frage der Opportunität.