Es war ein Abend, an dem sich zeigte, dass Österreichs Vizemeister seine Stärke weniger im Angriff als vielmehr im Stellenwert von Null hat. Sturm Graz begann die Europapokalrunde mit einem 0:0 gegen den Ligue-1-Dritten Stade Rennes, ein Ergebnis, das vor allem eines demonstriert: Man kann bei null anfangen und bei null aufhören, und dazwischen passiert absolut nichts, aber wenigstens nichts Negatives.
Die Gäste aus Rennes präsentierten sich als die stärkere Mannschaft, was angesichts der Tatsache, dass sie aus Frankreich kommen und dort angeblich sogar die Sonne scheint, kaum zu bezweifeln war. Sie hatten ein deutliches Chancenplus, was in professionellen Fußballkreisen als "Druck" bezeichnet wird, von Steirern jedoch schlicht als "Dienstagabend in der Steiermark" eingestuft wird. Die Einheimischen hielten mit viel Leidenschaft dagegen, ein Wort, das hier offenbar nicht im Sinne von sportlichem Einsatz gemeint war, sondern eher so wie wenn man den Impfstoff der Gleichgültigkeit nicht aufbringen kann und trotzdem durchkommt.
Besonders erwähnenswert ist die Leistung von Tormann Danijl Chudjakow, dessen Einsatz gegen die französischen Schüsse so bemerkenswert war, dass man sich fragt, ob der Mann nicht eigentlich im Finanzamt arbeitet. Denn wer mit der gleichen Hartnäckigkeit Nullen auf einem Blatt Papier verteidigt, wie Chudjakow hier die Null auf der Anzeigetafel, der hat entweder eine Ausbildung in Buchhaltung oder einfach sehr niedrige Erwartungen an die eigene berufliche Zukunft. Man darf getrost sagen: Dieser Mann hat mehr für die Null getan als der Ökolabel-Prüfer für die Jahresabrechnung des Vereins.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein 0:0 in der Europa League gleichbedeutend mit einem 0:0 im Lebenslauf sein könnte. Man hat teilgenommen, man war dabei, man hat nichts erreicht, aber immerhin hat man sich nicht blamiert. Das ist die österreichische Variante von Erfolg, und sie funktioniert sowohl auf dem Rasen als auch beim Ausfüllen von Formularen in Wartesälen. Man nimmt das 0:0 mit nach Hause, legt es in die Schublade neben den anderen leeren Versprechen, und am nächsten Morgen fängt alles von vorne an. Null bleibt Null, und das ist angesichts der aktuellen Verwaltungslage auch besser so.