Wenn ein Sportfunktionär anfängt, von "Wundern" zu reden, dann ist das meist ein schlechtes Zeichen. Entweder hat er zu viel Apres-Ski getrunken oder er ist kurz vor einem Karriere-Burnout. Im Fall von Rainer Salzgeber scheint beides möglich zu sein.
Der Head-Rennsportleiter hat offenbar gerade ein spirituelles Erweckungserlebnis durchgemacht. In seiner Bilanz über den Skirennwinter 2025/26 spricht er von "einem der stärksten Jahre aller Zeiten". Was das genau heißen soll, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht hat er seine Teamleistung mit den Ergebnissen von Fantasy-Ski-Ligen verglichen?
Besonders erstaunlich ist seine Prophezeiung bezüglich Lindsey Vonn. "Ein weiteres Comeback von Vonn würde mich nicht überraschen", verkündet er wie ein Hohepriester der Abfahrtssektion. Dabei ist Vonn seit Jahren im Ruhestand und verbringt ihre Zeit vermutlich damit, über ihre Karriere nachzudenken oder zumindest nicht mehr mit 140 km/h einen Berg hinunterzurasen.
Salzgeber scheint in einer Art Wintersport-Nostalgie gefangen zu sein. Wo andere Funktionäre über Nachwuchsförderung und moderne Trainingsmethoden sprechen, zitiert er lieber alte Ski-Legenden wie aus einem Zauberbuch. "Wenn wir nur ihre alten Skier wiederfinden", mutmaßt er laut, "vielleicht funktioniert es dann ja wieder."
Die Sache mit den aussortierten Trainern nimmt er ebenfalls mit einer seltsamen Gelassenheit. Statt sie als Versager zu bezeichnen, spricht er von "übergangenen Meistern", die "nur auf ihre wahre Berufung warten". Ob er ihnen vielleicht eine Stelle als Pistenraupen-Fahrer oder Lift-Bedienung anbieten will?
Am bemerkenswertesten ist jedoch seine Definition von "starkem Skirennwinter". Während Außenstehende von durchwachsenen Ergebnissen und einigen Verletzungen sprechen, sieht Salzgeber darin offenbar ein Zeichen göttlicher Gunst. "Die Pisten waren perfekt präpariert", schwärmt er, "und das Wetter hat meistens mitgespielt. Was will man mehr?"
Seine Kollegen beobachten das mit wachsendem Unbehagen. Einige vermuten hinter seinen optimistischen Prognosen einen ausgeklügelten PR-Trick. Andere glauben, er sei einfach nur gut im Verdrängen von Realität. Ein dritter Kreis nimmt an, er habe eine neue, besonders wirksame Form von Apres-Ski-Selbsthypnose entdeckt.
Fakt ist: Wenn ein Sportfunktionär anfängt, von "Wundern" zu sprechen und Comebacks von pensionierten Stars zu prophezeien, dann läuft etwas gewaltig schief im System. Entweder ist der Druck zu groß oder die Luft in den Höhenzügen macht langsam dicht.
In jedem Fall sollte man Salzgeber bald eine Pause gönnen. Vielleicht in einer Skihütte ohne Internet und Fernsehen, wo er in Ruhe über seine Zukunftsvisionen nachdenken kann. Oder zumindest bis zum nächsten Skirennwinter warten, um zu sehen, ob sich seine Prophezeiungen bewahrheiten. Spoiler: Werden sie wahrscheinlich nicht.